Solaranlage in Nottuln macht Gemeinde zur Vorzeigekommune
Klaus Fallberg, Finanzvorstand der Gemeinde Nottuln (Bild: NRW.BANK)
Siegel: Energieeffizienz lohnt sich

Kommunen

//Nottuln zeigt sich mit Solaranlage im besten Licht

„Am Anfang haben alle die Stirn gerunzelt. Hier bei euch im Münsterland eine Solaranlage? Da scheint doch kaum die Sonne“, erinnert sich Klaus Fallberg. Als früherer Finanzvorstand der Gemeinde Nottuln hat er mit der Solaranlage einen echten Coup gelandet.

Um zu verstehen, warum dieses Vorzeigeprojekt ausgerechnet in Nottuln steht, lohnt es sich, die Gemeinde genauer anzuschauen: Wer durch den beschaulichen Ort spaziert, dem fallen schnell die vielen Solaranlagen auf, die auf den Dächern montiert sind. „Hier lebt ein gutes Dutzend Menschen, die sich immer schon stark im Umweltschutz engagiert haben“, erklärt Klaus Fallberg. „Inzwischen sind viele von unserer Solaranlage überzeugt“, erzählt Klaus Fallberg. 2005 gewann die Gemeinde den silbernen European Energy Award. Auch gibt es im Ort einen lokalen Klimaschutzpreis. Was regenerative Energien angeht, ist Nottuln in der Region weit vorne.

Schon in den Neunzigern hatte die Gemeinde ein Grundstück gekauft, das durch seine Lage direkt an der A 43 und durch seine dreieckige Form für eine landwirtschaftliche Nutzung genauso wenig wie für ein Wohngebiet taugte. „Das einzige, was diese Fläche auszeichnet, ist die exzellente Südlage“, erzählt Klaus Fallberg, „das Feld hat von morgens bis abends Sonne.“ Der perfekte Standort für eine Photovoltaikanlage. „Wir hatten uns das Ziel gesetzt, noch 2008 ans Netz zu gehen.“ Denn für Anlagen, die bis dahin ans Netz gegangen waren, garantiert das Energieeinspeisegesetz für 20 Jahre eine Vergütung von 35,49 Cent pro eingespeiste Kilowattstunde. „Auf dieser Basis konnte man einen sicheren Ertrag errechnen.“ Dabei half als unabhängige Instanz die EnergieAgentur.NRW.

Klaus Fallberg, ehemaliger Finanzvorstand der Gemeinde Nottuln (links), und Harald Gerding, technischer Leiter des Solarparks Nottuln (Bild: NRW.BANK) Klaus Fallberg, ehemaliger Finanzvorstand der Gemeinde Nottuln (links), und Harald Gerding, technischer Leiter des Solarparks Nottuln (Bild: NRW.BANK)

„Die Sonne hat uns verwöhnt“

Dem Ertrag wurden die Kosten gegenübergestellt: Finanzierung von 4,2 Millionen Euro für den Bau der Anlage plus Wartung plus Pflege des Geländes plus Allgefahrenversicherung, alles gerechnet auf die 20 Jahre. Das Ergebnis klang gut: Nach Ablauf der 20 Jahre würde sich die Anlage nicht nur gerechnet, sondern zusätzlich auch einen Erlös in die Gemeindekasse gespült haben. Weiterhin wird durch die Anlage auch der Ausstoß an CO2 gegenüber normaler Energieerzeugung gemindert. Für die Finanzierung wandte sich Klaus Fallberg Ende 2007 an Ralph Ishorst, Förderberater Öffentliche Kunden der NRW.BANK. Fast die komplette Summe wurde über das Programm NRW.BANK.Kommunal Invest finanziert. Dabei handelt es sich um Gelder der KfW Bankengruppe, die von der NRW.BANK vergünstigt und für Infrastrukturprojekte weitergegeben werden. Sie decken bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten eines Projekts. Um die restlichen 50 Prozent finanzieren zu können, hat die NRW.BANK zusätzlich das Programm Kommunal Invest Plus aufgelegt. „Damit bekommen die Kommunen bei uns die Förderung und Finanzierung aus einer Hand“, erklärt Ralph Ishorst. Einen kleineren Teil der 4,2 Millionen Euro stellten die Einwohner Nottulns über einen Bürgerfonds zur Verfügung.

Schließlich war es so weit: Die Politik gab grünes Licht für den Photovoltaikpark. Dann ging es sehr schnell, keine Woche dauerte es, bis das Geld für die Finanzierung bereitgestellt war. Das Unternehmen Phoenix Solar errichtete die komplette Anlage und montierte die 16.640 Dünnschichtmodule. Die Anlage ist ausgelegt auf eine Leistung von 1,2 Megawatt, damit sollen circa 1.050 Megawattstunden Energie im Jahr eingespeist werden. Das ist ein Fünftel des Stromverbrauchs in der Gemeinde. Bisher läuft die Anlage glänzend. In den Planungen war man von 8.000 Euro Einnahmen für das Jahr 2008 ausgegangen. Einen Monat nach Inbetriebnahme, im November 2008, hatte die Anlage schon Strom für 26.000 Euro produziert.

Seit 2008 liegen die Erträge der Anlage, auch in eher durchwachsenen Sommern, teils deutlich über den Erwartungen, sodass man von einer wirklichen Erfolgsgeschichte sprechen kann. „Im Jahr 2009 hat uns die Sonne gar so verwöhnt, dass am Ende des Jahres nach Abzug aller Kosten sogar ein fünfstelliger Überschuss in den Gemeindehaushalt geflossen ist. Das war natürlich eine tolle Geschichte“, freut sich Klaus Fallberg.

Auch 2010 hat die Anlage mehr „Geld verdient“ als ursprünglich geplant. Bis dato brachte die Anlage bereits über 1,2 Millionen Euro an Einspeisevergütung. Ebenso wurden im Jahr 2011 schwarze Zahlen geschrieben. Im Sommer vermeldete die Stadt, dass insgesamt schon über 2.000 Tonnen Kohlendioxid vermieden und rund drei Millionen Kilowattstunden ins Netz eingespeist wurden. Das entspricht einem Stromverbrauch von 820 Haushalten oder etwa der Hälfte der Haushalte in Nottuln-Appelhülsen.

Die Erfolgsgeschichte geht unvermindert weiter: „Die Solaranlage hat seit der Inbetriebnahme im Jahr 2008 bis Mitte 2016 insgesamt 8.100 Megawattstunden erzeugt. Das entspricht einer Einspeisevergütung von 2,9 Millionen Euro. Die Kalkulation zur Erstellung des Solarparkes wurden damit um sieben Prozent übertroffen“, freut sich Doris Block, die im Frühjahr 2016 Klaus Fallberg im Amt folgte. Effizienter lässt sich vermeintliches Ödland nun wirklich nicht nutzen. „Die haben alles richtig gemacht“, lobt Ralph Ishorst. „Besser kann man das Klima bei gleichzeitiger Schonung der Gemeindekasse nicht schützen!“

Stand: 20. Juni 2016

Der Solarpark in Nottuln wurde finanziert über das Programm:

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