Kommunales Finanzmanagement und Zinsmanagement, unruhige Finanzmärkte, komplexe Finanzprodukte, steigende Risiken erfordern Beratung der NRW.BANK
Christoph Tesche, Stadtkämmerer Recklinghausen (Bild: NRW.BANK)

Kommunen

//„Wir brauchen jemanden, der uns unterstützt“

Unruhige Finanzmärkte, immer komplexer werdende Finanzprodukte, steigende Risiken – Recklinghausen setzt in diesem Umfeld auf die Beratung durch die NRW.BANK. Ein Gespräch mit Stadtkämmerer Christoph Tesche und den Fachbereichsleitern Finanzen Michael Lubrich und Walter Frigge.

Herr Tesche, wann hat die Stadtverwaltung die Entscheidung getroffen, die NRW.BANK für das Finanz- und Zinsmanagement ins Boot zu holen?

Christoph Tesche: Das ist jetzt gut zwei Jahre her. Die Schulden unserer Stadt stiegen und  die Anforderungen im Finanzmanagement haben stetig zugenommen. Uns wurden immer mehr und zunehmend komplexere Produkte vorgeschlagen und zugleich kamen immer häufiger Meldungen aus den unterschiedlichsten Kommunen, die mit hoch strukturierten Finanzprodukten Verluste erlitten hatten. Außerdem wurden die Märkte, auch bereits vor der Finanzmarktkrise, zunehmend unruhiger. Das waren die ausschlaggebenden Punkte.

Walter Frigge und Christoph Tesche (Bild: NRW.BANK) Walter Frigge und Christoph Tesche (Bild: NRW.BANK)

Haben Sie auch Verluste erlitten?

Christoph Tesche: Es sagt ja niemand gerne, dass er mit Derivaten negative Erfahrungen gesammelt hat, aber es gibt Fälle, in denen das passiert ist. Zum Glück können wir unter dem Strich nach wie vor ein positives Ergebnis verzeichnen. Als Kämmerer muss man sich heute eingestehen können, dass angesichts der Kapitalmärkte und der riesigen Zahl von Finanzprodukten die eigene Kompetenz der Kommune nicht ausreicht. Wir müssen ganz ehrlich sagen, dass wir alle eingesetzten Produkte zwar in ihren wesentlichen Elementen verstanden hatten, aber nicht das Know-how haben, jedes Detail analytisch aufzubereiten.

Michael Lubrich: Wir haben uns dann an die NRW.BANK gewandt, weil wir externes Fachwissen hinzuziehen wollten. Daraus ist im Laufe der Zeit großes Vertrauen gewachsen, das heute die Basis für eine gute Zusammenarbeit ist. 

Christoph Tesche: Durch die Zusammenarbeit haben wir viele neue Kenntnisse gewonnen. Wir kennen jetzt neue Bausteine in der Finanzierung und für das Finanz- und Zinsmanagement. Genauso wissen wir heute deutlich mehr über die Stolpersteine. Was wir ganz klar sagen können ist, dass wir dank der Zusammenarbeit mit der NRW.BANK schon Finanzprodukte abgelehnt haben, die uns prompt drei Monate später richtig Geld gekostet hätten.

Was hat sich in Ihrer Arbeit verändert?

Walter Frigge: Ausgangspunkt war die Formulierung einer Dienstanweisung. Das ist ein umfassendes Werk von Regeln für unser Finanzmanagement. Viele dieser Regeln waren vorher schon Bestandteil unserer Arbeit, jetzt haben wir sie aber komplett zu Papier gebracht und durch neue Anforderungen ergänzt. Eine Folge davon ist, dass wir jetzt alle relevanten Risiken aktiv controllen.

Christoph Tesche: Durch unsere Risikoanalysen können wir dem Rat der Stadt eine sehr fundierte Berichterstattung vorlegen. Auch dadurch ist das Vertrauen in die Arbeit des Kämmerers weiter gewachsen. Das wird zudem gefördert, weil die NRW.BANK als unabhängiger und wettbewerbsneutraler Dritter im Rat ein sehr hohes Ansehen genießt.   

Michael Lubrich: Eine andere Folge ist, dass wir unsere Kreditaufnahmen jetzt in Bausteine zerlegen und dann am Markt abfragen und nicht mehr als einzelne große Pakete. Zudem haben wir die Produkte, die wir aufnehmen, in Kategorien eingeteilt, die sich an Risikoparametern orientieren. Jedes Produkt, das wir einsetzen, muss definierte Standards – insbesondere beim Risiko – erfüllen.

Walter Frigge (Bild: NRW.BANK) Walter Frigge (Bild: NRW.BANK)

Wie hat sich Ihre Darstellung gegenüber dem Rat verändert?

Christoph Tesche: Wir können das Gesamtthema des Finanz- und Zinsmanagements jetzt fundierter darstellen. Einmal im Jahr berichten wir im Rat ausführlich über die Schuldensituation. Dabei orientieren wir uns an ganz klaren Standards, etwa an Risikokategorien der Finanzprodukte. Über eine Ampelfunktion, die sich an der Auslastung von festgelegten Limiten orientiert, machen wir die Situation deutlich. Neben der besseren Strukturierung haben wir so eine bessere Vergleichbarkeit der Zahlen, um Entwicklungen aufzuzeigen. Hierzu gehört auch der Blick in Zukunft, also mit welchen Zinsbelastungen die Politik rechnen muss.

Über die NRW.BANK können Sie auch auf Erfahrungswerte aus anderen Kommunen zurückgreifen. Nutzen Sie das?

Michael Lubrich: Ja. Wir können so abgleichen, ob unsere Portfoliostruktur im Vergleich gut dasteht oder ob wir irgendwo herausragen. Diese Informationen können wir dann beispielsweise bei Neuaufnahmen und Prolongationen berücksichtigen, etwa mit Blick auf Laufzeiten oder dem Produktspektrum.

Hat die Stadt Recklinghausen in den letzten zwei Jahren Handlungsspielräume zurückgewonnen?

Christoph Tesche: Zusätzlichen politischen Spielraum schafft unser Finanz- und Zinsmanagement nicht unmittelbar. Aber es ist so, dass wir seitens der Kommunalaufsicht für unser Finanzmanagement Wohlwollen erfahren. Zum Beispiel wenn wir bei der Bezirksregierung mit Investitionsvorhaben vorstellig werden. Und solange der Finanzmarkt so undurchschaubar wie jetzt ist, werden wir auf die Beratung der NRW.BANK nicht verzichten.

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