Die Dortmunder Nordstadt gehört zu den spannendsten Vierteln Nordrhein-Westfalens. Die NRW.BANK unterstützt die Entwicklung.
Uta Wittig-Flick (Bild: NRW.BANK)

Kommunen

//„Dranbleiben“ heißt die Devise der Nordstadt

Uta Wittig-Flick schüttelt den Kopf: „Wenn es in einem anderen Stadtteil eine Schlägerei gibt, so steht in der Zeitung: ,In der XY-Straße gab es ein Handgemenge.‘ Wenn das aber hier passiert, heißt es nur ,Wieder Krawall in der Nordstadt‘.“ Aber mit Barrieren im Kopf Anderer kann sich die Stadterneuerin der Stadt Dortmund nicht lange aufhalten: Sie entwickelt mit Unterstützung der NRW.BANK einen der spannendsten Orte Nordrhein-Westfalens.

„Echt Nordstadt! Raue Schale, buntes Herz“, steht auf Plakaten und Flyern, mit denen auf die Attraktivität der Quartiere Nordmarkt, Borsigplatz und Hafen sowie auf Projekte und Veranstaltungen aufmerksam gemacht wird. Dass es mit einem Slogan allein nicht getan ist, weiß auch Uta Wittig-Flick. „Dranbleiben“, heißt die Devise für die durch Arbeitslosigkeit, aber auch kulturelle und religiöse Vielfalt gekennzeichnete Nordstadt.

Uta Wittig-Flick: „Die Menschen immigrieren aus anderen Ländern, fassen hier Fuß und ziehen schließlich in ein Eigenheim in einem anderen Stadtteil, neue Bewohner rücken nach.“ (Bild: NRW.BANK) Angesichts der hohen Fluktuation wird die Nordstadt bewusst als „Integrationskubator“ wahrgenommen. (Bild: NRW.BANK)

Hochverdichtetes Wohngebiet

Die Nordstadt entstand als Industrie- und Arbeitervorstadt Dortmunds bei der Entwicklung des Hafens, der Stahlindustrie und des Bergbaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie ist gekennzeichnet durch gründerzeitliche Häuser, wenig Grünflächen und große Industrieanlagen am Rande der hochverdichteten Wohngebiete. Sämtliche Einwohner des rund 1.440 Hektar großen Stadtbezirks leben auf rund 300 Hektar zusammen.

Der Abbau der drei traditionellen Säulen Kohle, Stahl und Bier hat die Nordstadt besonders getroffen. Innerhalb von 30 Jahren reduzierte sich bis 1990 die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Stadtgebiet um rund 63.000 Menschen. Die Nordstadt ist für Dortmund zum Synonym für sozialen und städtebaulichen Erneuerungs- und Entwicklungsbedarf geworden. Eine Impulsförderung allein reicht hier nicht aus. „Die Stadt hat sich auf eine dauerhafte Unterstützung eingestellt“, erklärt Uta Wittig-Flick.

Integriertes Handlungskonzept

1996 ergänzte ein integriertes Handlungskonzept die städtebaulichen und ökonomischen Maßnahmen, um die Potenziale der Nordstadt zu aktivieren: ihre Nähe zur Innenstadt, eine über Jahrzehnte gewachsene dichte Mischung von Wohnungen, Arbeitsplätzen, Freiraum, Kultur- und Freizeitangeboten sowie die kulturelle und soziale Vielfalt der Bevölkerung, die – auch aufgrund des südländischen Lebensstils der überwiegenden Bevölkerung mit Migrationshintergrund – zu einer vielseitigen und lebendigen Nutzung des städtischen Umfeldes führt. Ziel war es, den nachbarschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, die Wirtschaft zu unterstützen und das Erscheinungsbild des Viertels zu verbessern.

Im Rahmen der EU-Förderung URBAN II flossen 29 Millionen Euro vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2008 in die Nordstadt. Initiiert wurden, zum Teil mit Hilfe der NRW.BANK, 29 Projekte in den Handlungsfeldern Städtebau, lokale Ökonomie, Schule, Gesundheit, Beschäftigung und Qualifizierung, Public-private-Partnership, Image und soziale Infrastruktur. Zwischen 2010 und 2014 wurden und werden weitere Projekte mit Mitteln des Programms „Soziale Stadt“ angeschoben.

Menschen in eine Tagesstruktur bringen

„Wir haben URBAN II in die Nachhaltigkeit überführt“, sagt Uta Wittig-Flick. Zahlreiche Projekte zur Stärkung des Stadtteils sind Selbstläufer geworden. Zum Beispiel die sieben „Elterncafés“, in welchen Eltern von Grundschulkindern aktiviert und motiviert wurden, am schulischen Geschehen teilzunehmen und einen kontinuierlichen Kontakt zur Schule zu festigen, um Schwierigkeiten gemeinsam besser zu bewältigen. Jährlich gibt es in dem mittlerweile vom städtischen Haushalt finanzierten Projekt rund 900 Beratungen etwa zur Erziehung, Sprach- und Gesundheitsförderung oder Qualifikation. Ein weiteres Projekt, das mit dem Diakonischen Werk Dortmund als Träger fortgeführt wird, ist die Werkstatt „Passgenau“ für Langzeitarbeitslose. Dort werden unter anderem Möbel restauriert. „Es geht darum, Menschen wieder in eine Tagesstruktur zu bringen“, erklärt Uta Wittig-Flick.

Die Arbeit im Quartier wird von der Stadt getragen. Dortmund führt die Finanzierung des Quartiersmanagements fort. Somit bleibt der Erfolg gesichert. Wittig-Flick: „Es gelang, dass die städtischen Fachbereiche und die Akteurslandschaft an einem Strang ziehen.“ Zudem wurden neben der Projektarbeit rund 30 hochaktive Netzwerke initiiert, vom Eigentümerstammtisch bis hin zur KulturMeileNordstadt. „Die Nordstadt“, sagt die Stadterneuerin, „bleibt ein spannendes und buntes Miteinander.“

 
 

In der Dortmunder Nordstadt tut sich was: Mit einem integrierten Handlungskonzept sowie zahlreichen Projekten soll hier ein attraktives Quartier entstehen

Förderprogramm/-produkt zum Thema:

Fördermöglichkeiten für Ihr Vorhaben finden

Ich suche Fördermöglichkeiten für
im Förderthema

Eine vollständige Übersicht der Auswahlkriterien bietet Ihnen die  Produktsuche

Kommunen

Beispiel für zeitgemäße Stadtentwicklung: das Gelsenkirchener Quartier Bochumer Straße (Bild: NRW.BANK)

Stadtentwicklung aus dem Bestand heraus

Dass „neu“ nicht unbedingt mit „gut“ gleichzusetzen ist, davon können in der Rückschau so manche Städte, die in den 1960er- bis 1970er-Jahren mit „Flächensanierungen“ ganze Viertel abrissen und neu bauten, ein Lied singen. „Zeitgemäß ist heute eine behutsame Stadtentwicklung aus dem Bestand und dem gewachsenen Miteinander vor Ort heraus“, erklärt Karl-Friedrich Hofmann von der Wohnraumförderung der NRW.BANK. Mit integrierten Handlungskonzepten, die alle lokalen Akteure und das Umfeld einbeziehen, wird nunmehr punktuell eingegriffen, um Impulse für das ganze Quartier auszulösen. Beispielhaft macht das Gelsenkirchen im Quartier Bochumer Straße mit Unterstützung der NRW.BANK.

Weiterlesen

Wohnen

Rund um den Phoenix-See entstand ein anspruchsvolles Wohn-, Dienstleistungs- und Freizeitquartier (Bild: NRW.BANK)

PHOENIX See und renaturierte Emscher sorgen für Impulse

Über 20 Ingenieurbüros fertigten im Vorfeld Gutachten an. Auch viele Studierende zerbrachen sich den Kopf. Die Frage lautete: Sollte es wirklich gelingen, aus der Industriebrache des 2001 stillgelegten Stahlwerks Phoenixhütte ein anspruchsvolles Wohn-, Geschäfts- und Freizeitquartier zu machen? Die Antwort ist heute in Dortmund zu erleben: das Quartier PHOENIX See. 230 Millionen Euro flossen bereits in die Entwicklung des Konversionsprojekts. Die Finanzierung unterstützte die NRW.BANK unter anderem mit Mitteln der Wohnraumförderung.

Weiterlesen

Wohnen

Der Niederfeldsee wurde eigens für das  „Uferviertel“ angelegt (Bild: NRW.BANK)

Neue Quartiere: Projektorientierte Förderung wertet Altendorf auf

„Es war ein schwieriger Prozess“, erinnert sich Werner Weskamp von Haus & Grund Essen e.V. Um den Impuls aufzugreifen, der von dem neu angelegten Niederfeldsee ausging, mussten viele Hauseigentümer in Essen-Altendorf mit ins Boot geholt werden. „Sie haben die einmalige Chance, sich für Ihren Stadtteil zu engagieren, indem Sie Ihre Immobilien fit machen“, appellierte er an die privaten Eigentümer auf einer Versammlung im Jahr 2011. Die Chancen standen gut. Altendorf schickte sich mit Unterstützung der NRW.BANK an, deutlich an Attraktivität zu gewinnen.

Weiterlesen

Ihre Anfrage

* Pflichtfelder Ihre E-Mail-Adresse und die E-Mail-Adresse des Empfängers/der Empfänger werden ausschließlich zu Übertragungszwecken verwendet und anschließend gelöscht.

Feedback

Ihre Bewertung der Seite

Haben Sie ein Anliegen und möchten lieber persönlich in Kontakt mit der NRW.BANK treten? Dann nutzen Sie bitte unsere Kontaktmöglichkeiten.