Viktoria.Quartier in der Bochumer City greift Entwicklungen auf, fördert Netzwerke und macht Unternehmen sowie Kreative bekannter
Das „Bermuda3Eck“ ist ein belebtes und beliebtes Szeneviertel (Foto: Lutz Leitmann / Stadt Bochum, Presseamt)

Kommunen

//Kreativquartiere: Möglichkeitsräume in der Bochumer City

Mit einem „integrierten Handlungskonzept“ entwickelt die Stadt Bochum das Viktoria.Quartier in der City zu einem Schmelztiegel der Kreativwirtschaft. Größte Herausforderung ist, den Kreativen Räume zur Verfügung zu stellen. Zu diesen „Möglichkeitsräumen“ zählt auch das Musikzentrum, für das Bürger, Stadt und Land an einem Strang ziehen.

In Bochum sind seit vielen Jahren Agenturen ansässig, die klassisch zur Kreativwirtschaft gehören. Mit der Idee zum Viktoria.Quartier geht es der Stadt Bochum darum, Entwicklungen aufzugreifen, Netzwerke zu fördern und die Unternehmen und Kreativen bekannter zu machen.

Das Veranstaltungszentrum „Rotunde“ im ehemaligen Katholikentagsbahnhof im „Bermuda3Eck“ in Bochum (Foto: Lutz Leitmann / Stadt Bochum, Presseamt) Das Veranstaltungszentrum „Rotunde“ im ehemaligen Katholikentagsbahnhof im „Bermuda3Eck“ in Bochum (Foto: Lutz Leitmann / Stadt Bochum, Presseamt)
Das SAE Institute am Springerplatz in Bochum (Foto: Lutz Leitmann / Stadt Bochum, Presseamt) Das SAE Institute am Springerplatz in Bochum (Foto: Lutz Leitmann / Stadt Bochum, Presseamt)

Kreativ im Bestand

Zum Bochumer Kreativquartier gehören neben dem legendären Kneipenviertel „Bermuda3Eck“ auch die angrenzenden Wohnviertel. „Wichtig für die Entwicklung ist, dass genügend leere Räume vorhanden sind, die neu genutzt werden können. Solche Möglichkeitsräume finden sich ja nicht nur in Industriebauten“, erklärt Marion Behn, Projektleiterin Kreativwirtschaft bei der Wirtschaftsförderung Bochum GmbH. „Hier in Bochum haben die Kreativen gerade die 1950er- und 1960er-Jahre-Bauten für sich entdeckt.“

Zu diesen Möglichkeitsräumen zählt zum Beispiel die „Rotunde“, die 1949 als Bahnhof errichtet wurde und heute „Brutstätte“ für völlig neue Veranstaltungsformate, Projekte und Festivals ist. Nur wenige Schritte weiter ist das „Viertel vor Ehrenfeld“ zu finden, ein klassisches Wohnviertel, in dem bereits seit rund zehn Jahren Kreative neue Geschäftsideen ausprobieren, Designläden, Galerien oder Cafés eröffnen. „Das ist ein spannendes Gründerquartier. Heute ist hier schon die zweite Generation aktiv“, so Marion Behn. Kreatives Kleinod ist das „Rottstr. 5 Theater“, das in einem Brückengewölbe unter einer Bahntrasse seine Spielstätte gefunden hat. Ein paar Minuten zu Fuß entfernt liegt der Springerplatz. Hier hat das SAE-Institut, das weltweit Ausbildung in allen Bereichen der audio-visuellen Medien anbietet, einen ehemaligen Bunker bezogen.

Neue Möglichkeitsräume

Und es sind neue Räume entstanden: Die Zukunftsakademie NRW hat im Dezember 2013 eröffnet und bietet Möglichkeitsräume für temporäre Projekte. Das größte Einzelprojekt im Viktoria.Quartier ist das ANNELIESE BROST MUSIKFORUM RUHR, das im Oktober 2016 eröffnet wurde.

Möglich wurde es durch einen großen Kraftakt: 33 Millionen Euro kostete der Bau, rund 14 Millionen Euro kamen über Spenden der Bochumer Bürger zusammen. Aus dem NRW-EU-Ziel 2-Programm und der Städtebauförderung des Landes NRW kamen 16 Millionen Euro hinzu, das Kulturministerium beteiligte sich mit einer halben Million Euro. Insgesamt wurden so gleich drei Ministerien aktiv: das Wirtschaftsministerium für die EU-Mittel, das Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr und das Kulturministerium des Landes NRW. Zusätzliche Unterstützung kam von der NRW.BANK. Bochum selbst war mit 2,4 Millionen Euro beteiligt. Die Fäden laufen schließlich bei der Bezirksregierung Arnsberg zusammen, bei der alle Anträge auf Städtebauförderung eingereicht und geprüft werden.

„Zentraler Punkt der Städtebauförderung ist, dass Projekte, die gefördert werden sollen, Bestandteil eines integrierten Handlungskonzepts für ein ganzes Quartier sind“, erklärt Hartmut Schindler, der sich bei der Bezirksregierung um das Bochumer Projekt kümmert. „Das ist beim Bochumer Viktoria.Quartier der Fall.“ Und nicht nur das: „Neben der Spendenbereitschaft der Bochumer überzeugte die Idee, Symphoniker und Musikschule, aber auch die freie Szenekultur unter einem Dach zu vereinen. Das ist für NRW ein völlig neuer Weg“, so Hartmut Schindler. Noch ein weiterer Aspekt spielte eine wichtige Rolle: In den Neubau ist ein ehemaliges Kirchenschiff einbezogen. Dieser Raum ist nicht nur Foyer des Musikzentrums: Hier treffen Hochkultur, elementare musikalische Ausbildung und freie Kulturszene aufeinander - ein neuer, spannender Möglichkeitsraum.

Stand: 22. März 2017

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