In Dinslaken ist ein ehemaliges Zechengelände seit 2010 Kreativquartier – als Teil des europäischen Projektes „CURE – Creative Urban Renewal in Europe“
Alte Zechengebäude werden Wirkstätten für Kreative (Bild: NRW.BANK)

Kommunen

//Kreativquartiere: Dinslaken setzt auf „Bilbao-Effekt“ im Kleinen

2005 war endgültig „Schicht im Schacht“: So wie viele andere Bergwerke im Ruhrgebiet zuvor schloss auch die Zeche Lohberg in Dinslaken ihre Pforten – aber nur, um diese im Jahr 2010 als Kreativ.Quartier Lohberg wieder zu öffnen. Als Teil des europäischen Projektes „CURE – Creative Urban Renewal in Europe“ gibt das Quartier neue Impulse für die Kreativwirtschaft.

„Die Menschen, die in den Stadtteilen direkt an einer Zeche leben, sind mit dem Bergbau groß geworden. Wenn eine Zeche schließt, gehen nicht nur Arbeitsplätze verloren, man nimmt den Menschen auch ein Stück ihrer Identität“, erzählt Bernd Lohse. „Die Folge ist oft eine regionale Depression.“ Bernd Lohse ist als Projektentwickler der RAG Montan Immobilien GmbH mit der Entwicklung des Kreativ.Quartier Lohberg in Dinslaken betraut. Statt Kohle werden hier nun kreative Ideen gefördert.

Bernd Lohse (r.) entwickelt das Kreativ.Quartier Lohberg (Bild: NRW.BANK) Bernd Lohse (r.) entwickelt das Kreativquartier Lohberg (Bild: NRW.BANK)
Das Kreativquartier bietet Platz für kreativen Ideenreichtum (Bild: NRW.BANK) Das Kreativquartier bietet Platz für kreativen Ideenreichtum (Bild: NRW.BANK)

Um dieses Ziel zu erreichen, ging Bernd Lohse einen außergewöhnlichen Weg: „Eine neue Nutzung als Gewerbegebiet oder für Logistikzentren schied aufgrund der Randlage in einem Stadtteil aus. Schließlich setzte sich die Idee eines Kreativquartiers durch. Dann haben wir die Unternehmen der Kreativwirtschaft aus der Region eingeladen, um gemeinsam ein Konzept zu entwickeln. Wir wollten niemandem etwas Fertiges vor die Nase setzen.“ Pünktlich zum Kulturhauptstadtjahr 2010 wurde Eröffnung gefeiert. Seither haben sich hier Kreative aus den Bereichen Kunsthandwerk, Musik, Film, Architektur und Produktentwicklung angesiedelt. Künstler, Fotografen und Designer haben hier ihre Ateliers, es werden kunsttherapeutische Kurse und Gesangsunterricht angeboten. „Mit dem Kreativ.Quartier Lohberg kehren wir die Depression um“, ist Bernd Lohse überzeugt. „Die Zeche wird auch in Zukunft Identität stiften.“
 

Impulse für die Kreativwirtschaft

Dabei geht es im Moment noch nicht darum, einen wirtschaftlichen Betrieb herzustellen. „Wir wollen Impulse setzen. Das ist ein Experiment mit offenem Ausgang“, so Bernd Lohse. „Wir wollen hier Kreative anspornen, zu gründen. Der Vergleich mit einem Gründerzentrum passt eigentlich – nur dass hier die Subventionierung ausschließlich über die Räumlichkeiten stattfindet. Unser Ziel muss sein, dass Lohberg immer die Möglichkeit bietet, hier etwas auszuprobieren.“

Noch ist das Kreativquartier ein Ort des Wandels: Die verbliebenen Gebäude der Zeche werden nach und nach hergerichtet. Das Leitbild für die Entwicklung des Kreativquartiers schließt zudem den angrenzenden Stadtteil, die ehemaligen Halden sowie den derzeit entstehenden „Bergpark“ mit Skulpturen namhafter Künstler wie Thomas Schütte ein. Auf dem Gelände soll zudem eine Siedlung entstehen, auf einem anderen Teil ist die Ansiedlung von Dienstleistungsunternehmen und Handwerksbetrieben angedacht. Insgesamt entsteht hier ein kompletter Plus-Energie-Standort mit Synergien in den ganzen Stadtteil Lohberg. „Der Nukleus, also das Zentrum, ist und bleibt aber die Zeche. Von hier aus schreitet die Entwicklung voran. Wir versprechen uns hier einen ,Bilbao-Effekt’ im Kleinen“, so Bernd Lohse. In der nordspanischen Stadt Bilbao wurde 1997 das Guggenheim-Museum eröffnet, ein spektakulärer Bau des Stararchitekten Frank O. Gehry. Beflügelt durch den neuen touristischen Magneten erlebte die Stadt einen deutlichen Aufschwung.
 

Quartier im europäischen Netzwerk

Zusätzliche Impulse verspricht sich Bernd Lohse auch von der Beteiligung des Quartiers am europäischen CURE-Projekt, mit dem die europäische Gemeinschaftsinitiative INTERREG die grenzüberschreitende Zusammenarbeit fördert. Sieben Kreativquartiere in Großbritannien, Frankreich, Belgien und Deutschland nehmen teil. „Da gibt es viele Gemeinsamkeiten. Wir können voneinander lernen, uns gegenseitig Impulse geben und hier ausprobieren, was woanders schon funktioniert hat“, erklärt Bernd Lohse. „Aber natürlich gibt es nicht das eine Strickmuster für ein Kreativquartier. Jedes einzelne ist immer durch die Kreativen vor Ort geprägt.“

Bernd Lohse fasst zusammen: „Man kann endlos Fakten aufführen, die für Kreativquartiere sprechen. Aber um die Idee, die Chancen und die Vielfalt wirklich zu verstehen, ist das Beste, man fährt hin.“ Für das Kreativ.Quartier Lohberg ist dafür die regelmäßig stattfindende Veranstaltung „OpenHouse“ zu empfehlen. Dann öffnen die Kreativen ihre Ateliers und geben Einblick in ihre Arbeit.

Fördermöglichkeiten für Ihr Vorhaben finden

Ich suche Fördermöglichkeiten für
im Förderthema

Eine vollständige Übersicht der Auswahlkriterien bietet Ihnen die  Produktsuche

Kommunen

Christian Plümpe, einer der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Prisma GmbH & Co. KG (Bild: NRW.BANK)

Kreativquartiere: Neuer Anziehungspunkt für Dorsten

„Jede mittelgroße Stadt verträgt ein Kreativquartier“, ist Christian Plümpe überzeugt. „Kreative Menschen sind ja kein Phänomen, das sich auf Köln oder Berlin beschränkt.“ Christian Plümpe ist einer der Macher des Creativquartiers Fürst Leopold in Dorsten, das sich in kurzer Zeit zu einem beliebten Treffpunkt in der Stadt gemausert hat.

Weiterlesen

Kommunen

Für Dr. Christian Schmidt helfen Kreativquartiere, die Zukunft Hagens zu gestalten (Bild: NRW.BANK)

Kreativquartier Hagen ist europäisch vernetzt

Kreativquartiere tragen immer eine lokale Handschrift und leben von den Ideen der Menschen vor Ort. Das trifft auch auf die Elbershallen in Hagen zu. Mit der Teilnahme am europäischen CURE-Projekt wagten die Macher des Quartiers zudem den Blick über die Landesgrenzen hinaus.

Weiterlesen

Kommunen

Thomas Sichelt, persönlicher Referent des Beigeordneten für Kultur, Bildung und Wissenschaft der Stadt Bochum, und Marion Behn, Projektleiterin Kreativwirtschaft bei der Wirtschaftsförderung Bochum GmbH (Bild: NRW.BANK)

Kreativquartiere: Möglichkeitsräume in der Bochumer City

Mit einem „integrierten Handlungskonzept“ entwickelt die Stadt Bochum das Viktoria.Quartier in der City zu einem Schmelztiegel der Kreativwirtschaft. Größte Herausforderung ist, den Kreativen Räume zur Verfügung zu stellen. Zu diesen „Möglichkeitsräumen“ wird auch das Musikzentrum zählen, für das Bürger, Stadt und Land an einem Strang ziehen.

Weiterlesen

Ihre Anfrage

* Pflichtfelder Ihre E-Mail-Adresse und die E-Mail-Adresse des Empfängers/der Empfänger werden ausschließlich zu Übertragungszwecken verwendet und anschließend gelöscht.

Feedback

Ihre Bewertung der Seite

Haben Sie ein Anliegen und möchten lieber persönlich in Kontakt mit der NRW.BANK treten? Dann nutzen Sie bitte unsere Kontaktmöglichkeiten.