In Dorsten wurde die Zeche Fürst Leopold zum Kreativquartier umgebaut und entwickelt sich zum Highlight in der Stadt
Christian Plümpe, einer der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Prisma GmbH & Co. KG (Bild: NRW.BANK)

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//Kreativquartiere: Neuer Anziehungspunkt für Dorsten

„Jede mittelgroße Stadt verträgt ein Kreativquartier“, ist Christian Plümpe überzeugt. „Kreative Menschen sind ja kein Phänomen, das sich auf Köln oder Berlin beschränkt.“ Christian Plümpe ist einer der Macher des Creativquartiers Fürst Leopold in Dorsten, das sich in kurzer Zeit zu einem beliebten Treffpunkt in der Stadt gemausert hat.

Im Erdgeschoss der großen, denkmalgeschützten Verwaltungsgebäude haben sich Cafés und Restaurants niedergelassen, riesige Platanen spenden an warmen Sommertagen Schatten – der Platz im Herzen der ehemaligen Zeche Fürst Leopold hat sich gemacht. „2013 hatten wir an schönen Tagen bis zu 10.000 Besucher“, blickt Christian Plümpe zufrieden zurück.

Das alte Trafogebäude der Zeche Fürst Leopold bietet den Kulturschaffenden Platz für ihre Arbeitsräume (Bild: NRW.BANK) Das alte Trafogebäude der Zeche Fürst Leopold bietet den Kulturschaffenden Platz für ihre Arbeitsräume (Bild: NRW.BANK)
Ein Blick in das Atelier des künstlerischen Leiters Norbert Then (Bild: NRW.BANK) Ein Blick in das Atelier des künstlerischen Leiters Norbert Then (Bild: NRW.BANK)
Christian Plümpe in der Lohnhalle (Bild: NRW.BANK) Christian Plümpe in der Lohnhalle (Bild: NRW.BANK)

Zuvor lag das Gelände lange im Dornröschenschlaf: 2001 wurde die Zeche Fürst Leopold am Rande der Stadt Dorsten geschlossen. Es begann die Suche nach Ideen für eine Revitalisierung. Für den Dorstener Unternehmer Jürgen Tempelmann und seine Geschäftspartner Christian Plümpe und Ralf Ehlert eine Aufforderung zum Handeln: Gemeinsam wurde ein Konzept für die Zukunft des Areals auf rein privatwirtschaftlicher Basis entwickelt. 2008 erwarb ihr Unternehmen, die Prisma GmbH & Co. KG, das Gelände – der Startschuss für das neue Creativquartier Fürst Leopold. Neben der Entwicklung eines Nutzungskonzepts war eine der größten Herausforderungen, bei den Banken Vertrauen in die Idee aufzubauen: „Die Gebäude stellen keine werthaltige Sicherheit dar. Die Idee musste überzeugen.“

Kreativquartier setzt auf Kultur

Und das tat sie: Die Entwicklung zu einem abwechslungsreichen Treffpunkt mit interessanten Veranstaltungen war wichtig, „um ein breit gefächertes Publikum hierher zu locken“, so Christian Plümpe. „Ansonsten würde die Kernidee des Kreativquartiers, Künstler und kleine Kreativunternehmen nach vorne zu bringen, nicht funktionieren.“ Dazu wurden in den ehemaligen Verwaltungsgebäuden 20.000 Quadratmeter Fläche wieder nutzbar gemacht, inzwischen haben 20 Künstler hier Ateliers bezogen.

Den Anfang machte der Künstler Norbert Then, der im alten Trafogebäude sein Atelier und seine Traumfänger-Galerie eröffnete. Er hat die künstlerische Leitung der Zeche inne, wählt mit aus, welche Kulturschaffenden hier ihr Atelier einrichten dürfen. „Wir suchen bewusst Künstler, die das Ziel haben, von ihrer kreativen Arbeit leben zu können“, so Norbert Then. „Deshalb achten wir sehr auf die Qualität.“ Dahinter steckt die Idee, das Kreativquartier auch als neuen Weg für den Kunstmarkt zu etablieren. Dazu entstand zum Beispiel die Ruhrstadtgalerie, die riesige Ausstellungsflächen bietet. Außerdem wird einmal im Monat zum „Kunst-Rapport“ in die sehenswerte Lohnhalle gerufen. Dann sind alle Ateliers geöffnet und die Künstler geben Einblick in ihre Arbeit. Parallel dazu haben sich inzwischen zehn Kreativunternehmen von Medienagenturen über Fotografen bis hin zu Webdesignern und Restauratoren im Creativquartier Fürst Leopold niedergelassen.

Kreativwirtschaft ist Zukunftsbranche

Noch bleibt vieles zu tun: Im Fördermaschinenhaus wird der Verein für Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte Dorsten ein Museum einrichten, in dem auch standesamtliche Trauungen möglich sein werden. Außerdem ist ein Jugendzentrum geplant. Auch das gastronomische Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft. Und auf dem riesigen Areal um die Zeche herum entsteht gerade ein Gewerbegebiet, zudem sind neue Wohnbereiche geplant.

Mit der Quartiersentwicklung wird noch ein übergeordnetes Ziel verfolgt: Das gesamte Kreativquartier soll schließlich unter die Obhut der von Jürgen Tempelmann gegründeten Ruhrstadt-Stiftung kommen, die sich dann als Stiftungszweck um den Erhalt der Gebäude und den Betrieb des Kreativquartiers kümmern wird.

Dahinter steckt auch die Überzeugung, mit der Kreativwirtschaft auf eine Zukunftsbranche zu setzen: „Das ist im Moment vielleicht nicht so ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, aber mit Blick in die Zukunft ein sehr interessanter“, so Christian Plümpe. Die Zahlen geben ihm recht: Mit knapp drei Prozent trägt die Branche einen kleineren Teil zur Bruttowertschöpfung Nordrhein-Westfalens bei, jedoch arbeiten hier schon 315.000 Menschen, verteilt auf rund 50.000 Unternehmen. Nach den Krisenjahren bis 2010 erholte sie sich schneller als andere, die Zahl der Arbeitsplätze steigt überdurchschnittlich.

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