Die Software von Psyware ermöglicht Rückschlüsse auf Eigenschaften von Personen aufgrund von Sprachanalysen
Gründer und Managementteam von Psyware (von links): Christian Greb, Dr. Dirk C. Gratzel (CEO) und Mario Reis (Bild: Psyware GmbH)

Innovation

//Die Decodierung der Sprache

Das Aachener Unternehmen Psyware hat eine Technologie entwickelt, die Sprache auf psychologische Merkmale analysiert. Daraus sind Rückschlüsse auf Eigenschaften der Person möglich – zum Beispiel auf die Verfassung, die Persönlichkeit und die Motivation.

Um Persönlichkeitsmerkmale zu ermitteln, nutzen beispielsweise Personalberatungen aufwendige Verfahren. Auch in der Gesundheitsvorsorge oder im Kundenservice wächst der Bedarf danach. Mit ihrer Technologie „Precire“ bietet die Aachener Psyware GmbH ein weltweit einmaliges formal-quantitatives Verfahren, das anhand von Sprachkonstrukt, Sprechweise und Stimme oder Schrift psychologische Merkmale erkennt. „Unsere innovative Technologie macht die Analyse einfach, schneller und angenehmer, als bei herkömmlichen Verfahren“, so Mario Reis, Chief Operating Officer bei Psyware.

Mit der Software „Precire“ entschlüsselt und visualisiert Psyware individuelle persönliche Merkmale anhand der Sprache (Bild: Psyware GmbH) Mit der Software „Precire“ entschlüsselt und visualisiert Psyware individuelle persönliche Merkmale anhand der Sprache (Bild: Psyware GmbH)

Wurzeln in der Arbeits- und Organisationspsychologie

Gründer von Psyware sind der Jurist Dr. Dirk C. Gratzel, der Ökonom Mario Reis und Diplom-Psychologe Christian Greb. Sie lernten sich in der Personalberatung kennen. Dort berieten sie Unternehmen sowie Fußballvereine in Sachen Arbeits- und Organisationspsychologie und setzten dabei auf eignungsdiagnostische Verfahren. Das durch Beratung geprägte Geschäftsmodell hatte jedoch geringes Wachstumspotenzial. So entstand die Idee, eine technische, skalierbare Lösung zu entwickeln.

2011 stieß das Team auf eine Studie zur formal-quantitativen Textanalyse aus den 1960er-Jahren. Demnach verändern sich bei Psychotherapiepatienten im Laufe des Heilungsprozesses Sprachmuster wie Satzbildung oder Wortnutzung. Gratzel, Reis und Greb waren überzeugt, dass der damals aufgrund geringer Rechnerleistungen begrenzten Methode mit heutiger Technologie zum Durchbruch verholfen werden kann. Sie schlossen mit der RWTH Aachen eine Forschungskooperation – mit vielversprechenden Ergebnissen. 2012 wurde dann die Psyware GmbH gegründet.

Größte sprachpsychologische Studie der Welt

Als Basis der Technologie zur Erkennung von Persönlichkeitsmerkmalen führte Psyware die nach eigenen Angaben weltweit größte sprachpsychologische Studie durch. Dabei wurden 43 psychologische Merkmale von 5.500 Menschen erhoben und von jedem Teilnehmer eine 15-minütige Sprachprobe genommen. Die Sprachproben wurden anhand eines Systems mit 180.000 Unterkategorien klassifiziert, zum Beispiel hinsichtlich der Nutzung von Füllwörtern, Semantik und Tonfrequenzen. Die signifikanten Zusammenhänge in diesem hochkomplexen Datenbestand berechneten über viele Wochenenden hinweg die Server der RWTH.

Mithilfe der Ergebnisse analysiert Psyware nun anhand einer 15-minütigen Sprachprobe psychologische Merkmale eines Menschen. „Im Prinzip haben wir die menschliche Sprache decodiert und gleichzeitig kartographiert“, so Reis. „Ähnlich wie beim MRT können wir visualisieren, welche sprachlichen Bereiche für welche individuellen Merkmale verantwortlich sind.“

Im Jahr 2015, drei Jahre nach der Gründung, beschäftigt Psyware mittlerweile 30 Mitarbeiter (Bild: Psyware GmbH) Im Jahr 2015, drei Jahre nach der Gründung, beschäftigt Psyware mittlerweile 30 Mitarbeiter (Bild: Psyware GmbH)

Rasante Entwicklung mit starken Partnern

In der Anfangsphase fokussierte das Team die technologische Entwicklung. Seit Beginn brachten die Gründer rund 500.000 Euro eigene Mittel ein. Mitte 2013 wurde die erste Finanzierungsrunde mit dem Seed Fonds Aachen II und der DSA Invest GmbH geschlossen. Die Studiendaten wurden ausgebaut, Markttests brachten erste Umsätze. 2014 folgten größere Pilotprojekte und eine weitere Finanzierungsrunde. Mittlerweile beschäftigt Psyware 30 Mitarbeiter.

Im Juni 2015 wurde die Series C Runde im mittleren siebenstelligen Bereich geschlossen, mit Beteiligung der NRW.BANK und von Business Angels. „Das hochmotivierte Team hat uns überzeugt. Die Technologie ist bei namhaften Kunden im Einsatz. Mit unserem Investment unterstützen wir Psyware dabei, den Markt zu erobern“, so Thorsten Heldt von der NRW.BANK.

Zukünftige Geschäftsfelder und Sprachräume

Große Unternehmen setzen die Technologie im Bereich Human Resources ein, Krankenkassen für E-Health-Solutions. Als drittes Geschäftsfeld baut Psyware jetzt Customer Experience auf – mit Softwaremodulen, die der Kunde direkt in sein System integrieren kann. Die Digitalisierung ist ein weiterer Ansatzpunkt, ebenso gesellschaftliche Zukunftstrends wie psychische Gesundheit und Fachkräftemangel. Kurzfristig sollen weitere Kunden gewonnen und das Produkt in die Fläche gebracht werden. Mittelfristig werden neue Sprachräume erschlossen, zum Beispiel Nordamerika.

Psyware bietet heute das einzige System für diese Form der Analyse. Langfristig soll die Technologieführerschaft ausgebaut werden. Das Team rechnet damit, dass auch große Player wie Google oder andere Technologiekonzerne in den Markt einsteigen. „Um dann mitzuhalten, brauchen wir eine große Datenbasis, technologischen Vorsprung, eine gute Finanzierung und möglichst viele Kunden“, so Reis. „Und da sind wir auf einem sehr guten Weg.

Stand: 24. August 2015

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