Förderung digitale Wirtschaft in NRW: Im Interview reden Prof. Dr. Kollmann und Dr. Güllmann über die Landesinitiative und Chancen für Unternehmen.
Prof. Dr. Tobias Kollmann (links) und Dr. Peter Güllmann unterstützen die Digitale Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Foto: NRW.BANK

Innovation

//Initiative Digitale Wirtschaft NRW fördert innovative Potenziale

Die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) gehört zu den Wachstumsmotoren Nordrhein-Westfalens. Im Jahr 2011 haben dort rund 200.000 Beschäftigte etwa 93 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das entsprach fast 17 Prozent des NRW-Inlandsprodukts. Mit der Initiative Digitale Wirtschaft NRW will die Landesregierung die digitale Wirtschaft weiter fördern, aber auch klassische Industriebranchen und Dienstleistungsunternehmen für digitale Themen sensibilisieren. Prof. Dr. Tobias Kollmann, Landesbeauftragter der Initiative, und Dr. Peter Güllmann, Leiter des Bereichs Unternehmensfinanzierung bei der NRW.BANK, im Gespräch.

Welche Ziele verfolgt das Land mit der Initiative Digitale Wirtschaft NRW?

Prof. Kollmann: Mit der Initiative unterstützen wir Start-ups und die digitale Innovationskraft in NRW. Daneben haben wir die digitale Wettbewerbsfähigkeit von Industrie und Mittelstand im Fokus. Die Herausforderung ist es, diese beiden Vorhaben so zu koordinieren, dass Synergien zwischen den Geschäftsmodellen entstehen. Das könnte dann ein Wettbewerbsvorteil für die Digitale Wirtschaft in NRW werden.

Förderung Digitale Wirtschaft

Die NRW.BANK unterstützt die Digitale Wirtschaft auf vielfältige Weise.

Zinsvergünstigte Darlehen
Das NRW/EU.Mikrodarlehen bietet sich für kleinere Start-ups an, die bei den Hausbanken Beträge von 10.000 bis 20.000 Euro wegen des hohen Arbeitsaufwands oft nicht bekommen. Über die Hausbanken stehen weiterhin der NRW.BANK.Universalkredit oder der NRW.BANK.Mittelstandskredit zur Verfügung, unabhängig von den Branchen der Kreditnehmer.

Venture Capital und Beteiligungskapital
Die NRW.BANK stellt Risikokapital für Seed- und Frühphasenfinanzierungen, aber auch spätere Entwicklungsphasen zur Verfügung. Über die Kapitalbeteiligungsgesellschaft NRW (KBG) werden stille Beteiligungen ab 50.000 Euro angeboten. Das setzt voraus, dass die Unternehmen auf absehbare Zeit das dafür vereinbarte Entgelt erwirtschaften. Auch der NRW.BANK.Kreativwirtschaftsfonds mit der Untergrenze 250.000 Euro ist im Kern ein Venture Fonds. Bis zu einer halben Million Euro ist der NRW.BANK.Seed Fonds geeignet. Beim NRW.BANK.Venture Fonds engagiert sich die NRW.BANK ab 500.000 Euro, jedoch eher bei anlagenintensiven Technologieprojekten.

Zusammengebracht werden auch vermögende Privatpersonen als Kapitalgeber mit vielversprechenden Start-ups. Hierbei unterstützt die win Business Angels Initiative der NRW.BANK. Die NRW.BANK sucht Unternehmenskonzepte aus und coacht die jeweiligen Gründer, damit sie potenzielle Investoren überzeugen können. Der NRW.SeedCap Digitale Wirtschaft unterstützt bundesweit einmalig Start-ups, die digitale Innovationen als wesentlichen Bestandteil für ihre Geschäftsprozesse nutzen, indem der von einem Business Angel investierte Anteil durch die NRW.BANK verdoppelt wird. Die Förderbank beteiligt sich dabei mit maximal 50.000 Euro zu gleichen Konditionen wie der private Investor.

Dr. Güllmann: Die Digitale Wirtschaft ist für die Wirtschaftskraft und Wettbewerbsfähigkeit Nordrhein-Westfalens ein wichtiger Impulsgeber. In diesem Segment gibt es große Potenziale für Innovationen und Gründungen. Wir stehen hier im Wettbewerb mit anderen Regionen Deutschlands, hauptsächlich dem Großraum Berlin. Als Bank wollen wir bei dieser Initiative unseren Beitrag zum Strukturwandel leisten, indem wir junge Unternehmen finanzieren und fördern.

 

Und welche Aufgabe übernimmt der Beirat der Initiative?
 
Prof. Kollmann: Die Mitglieder des Beirats unterstützen uns mit ihrem Wissen dabei, eine Strategie für die Digitale Wirtschaft in NRW zu entwickeln. Wir verknüpfen die daraus abgeleiteten Maßnahmen von Anfang an mit der Praxiskompetenz aus den Bereichen Industrie, Start-ups, Venture Capital, Hochschulen und Multiplikatoren.

Dr. Güllmann: Ich bringe Finanzierungs-Know-how und praktische Erfahrung bei der Finanzierung von Unternehmen für den Beirat mit und habe als Vorstandssprecher des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK) einen guten Zugang zu einer Reihe von Investoren. Diese Kontakte bringe ich gerne ein.

 

Wird die Digitale Wirtschaft in NRW vom Finanzsektor ausreichend unterstützt?
 
Prof. Kollmann: Im internationalen Vergleich ist in Deutschland für digitale Start-ups der Zugang zu Startkapital erheblich schwieriger, insbesondere beim Haupt-Finanzierungsinstrument Venture Capital. Der Finanzsektor muss aktiver qualifizierte Gründer in oder für NRW suchen und dann seine Unterstützungsleistung besser entfalten.

Dr. Güllmann: Dabei kann die NRW.BANK unterstützen. Wir bieten für erfolgversprechende Geschäftskonzepte in jeder Entwicklungsphase Finanzierungslösungen an, neben Eigenkapital- auch eine Reihe von Kreditprogrammen (Anm. d. Red.: siehe Info-Kasten).

  

Wo sehen Sie Hemmnisse für Digital-Start-ups?

Prof. Kollmann: Ich halte die Bereitschaft zur Selbstständigkeit und zum Risiko für zu gering. Auch ist zu wenig Wagniskapital zur Finanzierung junger Unternehmen sowie Kapital für deren internationale Expansion vorhanden. Weiterhin fehlt ein Börsensegment, wo Investoren aus der Frühphase ihre Anteile gewinnbringend verkaufen und die Unternehmen sich zusätzliches Eigenkapital beschaffen können.

Prof. Dr. Kollmann und Dr. Güllmann Prof. Dr. Tobias Kollmann (links) und Dr. Peter Güllmann setzen sich für die Initiative Digitale Wirtschaft ein

In welchen Bereichen bestehen noch Chancen für neue Digital-Unternehmen?
 
Prof. Kollmann: Wir haben immer noch ausreichende Innovationspotenziale im Internet, Mobilfunk und dem interaktiven Fernsehen für nahezu alle Branchen und Teilmärkte. Es ist Risiko und Chance für Investoren zugleich, dass sich die Dinge in der digitalen Welt sehr schnell ändern können.

Dr. Güllmann: Viele Themen in den Bereichen Smart Energy und der so genannten Industrie 4.0 sind interessant. Ein Beispiel ist die Steuerung von Haustechnologien – auch mobil. Ebenso werden die Telemedizin und Sicherheitstechnologien an Bedeutung gewinnen. Große Potenziale bestehen in den 3-D-Druckverfahren. Insgesamt gibt es eine Reihe von  Perspektiven für die Digitalwirtschaft.

Es stellen sich für Digital-Start-ups die typischen Fragen wie in anderen Branchen auch: Ist mein Angebot interessant? Biete ich einen Mehrwert? Sind Kunden bereit, die veranschlagten Preise zu zahlen? Kann ich das Produkt für nationale, europäische oder weltweite Märkte weiterentwickeln?

Letztlich muss ein Geschäftsmodell funktionieren, was man in der digitalen Wirtschaft am Feedback des Marktes schneller als woanders merkt.

Prof. Dr. Tobias Kollmann Prof. Dr. Tobias Kollmann

Landesbeauftragter Prof. Dr. Kollmann

Prof. Dr. Tobias Kollmann ist Inhaber des Lehrstuhls für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen. Als Mitgründer von autoscout24.de war er einer der Pioniere in der Gründerszene für Internet-Portale und elektronische Marktplätze. In den vergangenen zehn Jahren hat er viele Unternehmen beraten und als Business Angel mehrere Startups finanziert. Prof. Dr. Kollmann ist Autor zahlreicher Fachbücher und Artikel sowie Kolumnist und Experte bei mehreren Fachmedien. 2014 hat NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin ihn zum Beauftragten der Initiative Digitale Wirtschaft NRW berufen.

Dr. Peter Güllmann Dr. Peter Güllmann

Beirat Dr. Peter Güllmann

Dr. Peter Güllmann leitet den Bereich Unternehmensfinanzierung bei der NRW.BANK. In dieser Funktion ist er  für die strategischen Beteiligungen, das Venture-Capital- und Private-Equity-Portfolio sowie das Konsortialgeschäft für mittelständische Unternehmen der NRW.BANK verantwortlich. Seit 2011 ist Dr. Güllmann Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), wo er seit 2014 einer der beiden Sprecher des Vorstands ist. Außerdem schreibt er regelmäßig Kolumnen und Artikel zum Thema Venture Capital.

Startseite von NRW.digital

NRW.digital

Das Onlinemagazin NRW.digital zeigt, wie die Digitalisierung die Wirtschaft und Gesellschaft verändert und stellt Menschen, Unternehmen und Kommunen vor, die in die Digitalisierung investieren.

Zum Onlinemagazin

Fördermöglichkeiten für Ihr Vorhaben finden

Ich suche Fördermöglichkeiten für
im Förderthema

Eine vollständige Übersicht der Auswahlkriterien bietet Ihnen die  Produktsuche

Innovation

Innovation: Roboter der Direvo IBT (Bild: NRW.BANK)

NRW.BANK.Venture Fonds fördert junge, technologieorientierte Unternehmen

Wer wagt, gewinnt: Venture Capital, zu deutsch Risikokapital, gehört zu den wichtigsten Instrumenten, um eine Idee zum Produkt zu führen. Mit dem NRW.BANK.Venture Fonds unterstützt die Förderbank des Landes Nordrhein-Westfalen junge, wachstumsstarke Unternehmen bei der Entwicklung von innovativen Technologien und Verfahren.

Weiterlesen

Gründung

Torsten Klink (Bild: NRW.BANK)

Das Erfolgsrezept der win NRW.BANK Business Angels Initiative

Er vermittelt Start-ups und junge Unternehmen mit innovativen Vorhaben an private Investoren – und umgekehrt: Torsten Klink leitet die win NRW.BANK Business Angels Initiative. Im Gespräch erläutert er das Erfolgsrezept.

Weiterlesen

Innovation

Die Geschäftsführer der Luxury Fashion Trade GmbH (von links): Dr. Sebastian Siebert, Dr. Fabio Labriola, Ronald Reschke und Frank Bütefür (Bild: Luxury Fashion Trade GmbH)

Fashionette: E-Commerce-Erfolg per Ratenkauf

Ob im Büro, auf Partys oder beim Mädelstreff – mit der Tasche einer renommierten Marke oder eines bekannten Designers ernten Frauen die Anerkennung der Modebewussten. Kein Wunder, dass Handtaschen eines der Lieblingsaccessoires der Damen schlechthin sind. Der Haken daran: Sie sind oft sehr teuer. Das Online-Portal www.fashionette.de macht mit unerfüllten Taschenträumen Schluss: Hier sind Taschen neben dem Sofortkauf auch per Ratenkauf erhältlich. Mit dem NRW.BANK.Kreativwirtschaftsfonds war die NRW.BANK seit 2011 als Investor bei Fashionette beteiligt. 2015 erfolgte der erfolgreiche Exit. Ein Investor stieg in das weiterhin auf Wachstumskurs befindliche Unternehmen ein.

Weiterlesen

Ihre Anfrage

* Pflichtfelder Ihre E-Mail-Adresse und die E-Mail-Adresse des Empfängers/der Empfänger werden ausschließlich zu Übertragungszwecken verwendet und anschließend gelöscht.

Feedback

Ihre Bewertung der Seite

Haben Sie ein Anliegen und möchten lieber persönlich in Kontakt mit der NRW.BANK treten? Dann nutzen Sie bitte unsere Kontaktmöglichkeiten.