NRW.BANK.Sportstätten: Boulegemeinschaft Essen-Kettwig baut Boulehalle
Beim Bau der Boulehalle packten die Vereinsmitglieder mit an (Bild: NRW.BANK)

Infrastruktur

//Eine Boulehalle für Kettwig

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sind Boulekugeln kalt, sehr kalt. Aber wer den Sport wie die Boulegemeinschaft Kettwig in Essen als Wettkampfsport betreibt, kann im Winter nicht einfach mit dem Training aufhören. Damit dann kalte Finger nicht länger die Konzentration beeinträchtigen, wurde 2011 eine Boulehalle gebaut – ein echtes Erfolgsmodell.

Idyllisch an der Ruhr und umgeben von Wald liegt das Boulodrom, also das Trainingsgelände der Boulegemeinschaft Kettwig auf der Sportanlage an der Ruhrtalstraße im Essener Süden. Hier spielen die Mitglieder des Vereins sommers wie winters die französische Kugelsportart Pétanque, umgangssprachlich meist Boule genannt. Schon lange reifte der Wunsch, eine Boulehalle und damit bessere Trainingsmöglichkeiten zu haben. Denn 70 Mitglieder betreiben Pétanque als Leistungssportart – einige von ihnen sogar in der NRW-Liga – bei der es noch mehr auf Präzision ankommt als beim Freizeitsport. Für die Hallenmeisterschaften des Pétanque mussten sie bisher in Hallen andernorts trainieren. „Wir haben uns von einer Boulehalle außerdem einen Vorteil für die Jugendarbeit versprochen. Leider sprangen Neulinge im Winter schon mal schneller ab, wenn es beim Training zu kalt wurde“, erklärt Andreas Klapdor, der erste Vorsitzende des Vereins.

Die neue Halle der Boulegemeinschaft Essen-Kettwig (Bild: Boulegemeinschaft Kettwig) Die neue Halle der Boulegemeinschaft Essen-Kettwig (Bild: Boulegemeinschaft Kettwig)

Ein lange gehegter Wunsch wurde wahr

„Planungen für die Halle waren schon seit 2007 im Gange. Im August 2009 wurde die Genehmigung für den Bau einer Halle erteilt“, berichtet der zweite Vorsitzende des Vereins Friedhelm Meiss. „Seit 2011 stand auch die Finanzierung für das Projekt.“ Schließlich beliefen sich die Kosten für den Bau auf gut 71.000 Euro. Davon stemmte der Verein etwa 30.000 Euro. Aus dem Förderprogramm NRW.BANK.Sportstätten, mit dem die Förderbank für das Land Nordrhein-Westfalen gemeinnützige Sportorganisationen bei Investitionen in Sportanlagen unterstützt, erhielt die Boulegemeinschaft Kettwig 15.000 Euro. Ein weiterer Teil wurde von der Stadt Essen finanziert. Die Baugenehmigung und die Finanzierung zu bekommen, waren aber nicht die einzigen Hürden auf dem Weg zur Boulehalle. Nicht zuletzt galt es skeptische Vereinsmitglieder zu überzeugen, die das Unterfangen lange Zeit aus organisatorischen, aber auch aus finanziellen Gründen für zu ambitioniert hielten.

Großer Einsatz für kleine Kugeln

Doch Anfang Oktober 2011 war es soweit: Der erste Spatenstich wurde gefeiert. Ziel der Vereinsmitglieder war es, dass zwei Monate später die ersten Spiele in der Halle, die immerhin 25 Meter lang, elf Meter breit und 5,50 Meter hoch ist, stattfinden sollten. Kein leichtes Unterfangen: Aus Kostengründen erfolgte ein Großteil der Arbeit in Eigenregie und dafür hatten die meisten Mitglieder natürlich nur am Wochenende Zeit. Kassenwart Norbert Schmitz erläutert: „Auch als die Halle stand, hatten wir immer noch ein gutes Stück Arbeit vor uns, schließlich brauchten wir noch eine Dämmung und eine Heizung, um nur einiges zu nennen.“ Aber mit viel Herzblut und  Leidenschaft für den Sport mit den kleinen Metallkugeln meisterte die Boulegemeinschaft Kettwig auch die letzten Hürden auf dem Weg zu einer winterfesten Trainingsstätte. Vielleicht wird dann in Zukunft dank der neuen Halle die Mitgliederzahl noch rasanter steigen als in den vergangenen vier Jahren, in denen der Verein von 20 auf rund 85 Mitglieder – aus sechs verschiedenen Nationen – gewachsen ist. Mit den neuen Bahnen in der Halle und den bereits bestehenden Außenbahnen verfügt die Boulegemeinschaft über 40 Bahnen. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass in Kettwig zukünftig Deutsche und Landesmeisterschaften ausgetragen werden können – und dem französischen Nationalsport in Deutschland noch mehr Anhänger bescheren. Der erste Lohn für die Anstrengungen des Vereins ist schon da: Der Boulegemeinschaft Kettwig ist die Austragung der Deutschen Seniorenmeisterschaft im September 2013 und der Landesmeisterschaften Doublette 2017 übertragen worden.

 

Ein Erfolgsmodell

2017, fünf Jahre nach der Fertigstellung, kann ein positives Resumée gezogen werden. Die Halle ist ein Erfolgsmodell. Neben dem Training im Verein ist die Halle in den Wintermonaten an zwei Tagen in der Woche auch für andere Vereine geöffnet. „Der Zuspruch ist gewaltig. Wir mussten ein Online-Buchungssystem einführen. Es kam zu oft vor, dass Spieler wegen Überfüllung wieder nach Hause fahren mussten“, so Friedhelm Meiss. Der Bouleverband nutzt die Halle für Meisterschaften und andere Vereine buchen sie für Trainingseinheiten. Insoweit hat die Halle eine Strahlkraft weit über Kettwig hinaus.

Stand: 12. April 2017

Die Boulegemeinschaft Kettwig e.V. wird gefördert über das Programm:

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