Interview mit Wilhelm Bauhus Leiter der Arbeitsstelle Forschungstransfer der Uni Münster
Dr. Wilhelm Bauhus (Bild: NRW.BANK / Lokomotiv)

NRW.BANK.Ideenwettbewerb 2015-2017

//Beflügeltes Denken

Innovative Ideen lassen sich planen. Das hat die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU) schon in rund 180 sogenannten Ideen-Minings für Unternehmen, Bürgerinitiativen und Kommunen unter Beweis gestellt. Was die 14 Finalisten des NRW.BANK.Ideenwettbewerbs 2015-2017 dort erwartet, erklärt Dr. Wilhelm Bauhus, Leiter der Arbeitsstelle Forschungstransfer (AFO).

Dr. Wilhelm Bauhus (Bild: NRW.BANK / Lokomotiv) Dr. Wilhelm Bauhus nutzt inspirerende Orte für das Ideen-Mining.
Dr. Wilhelm Bauhus (Bild: NRW.BANK / Lokomotiv) Das Credo lautet: Für jedes Problem gibt es nicht nur eine, sondern Dutzende Lösungen.
Dr. Wilhelm Bauhus (Bild: NRW.BANK / Lokomotiv) Neue Ideen fußen oft auf einem Perspektivwechsel. (Bilder: NRW.BANK / Lokomotiv)

Herr Dr. Bauhus, was ist ein Ideen-Mining?

Dr. Wilhelm Bauhus: Das Ideen-Mining wurde 2003 von Wissenschaftlern der WWU als Kreativworkshop, Denkfabrik und Perspektivenwerkstatt entwickelt. Es hilft, Lösungswege zu beschreiten, die hinter dem Dickicht des Arbeitsalltags verborgen liegen.

Dann finden die Ideen-Minings also außerhalb des gewohnten Arbeitsalltags statt?

Bauhus: Ja, denn es ist wichtig, dass die Teilnehmer weg von ihrem Schreibtisch kommen, und das radikal. Einen Steinwurf von unseren Büros entfernt liegt das stillgelegte Rehabilitationsbad der technischen Orthopädie des Universitätsklinikums Münster, das von uns unter anderem als "Think Tank" genutzt wird. Die ungewöhnliche Umgebung durchkreuzt den Tunneleffekt eingefahrener Lösungsschemata und beflügelt das Denken. Wir nutzen neben dem leeren Schwimmbad viele inspirierende Orte in Münster für die Ideen-Minings – vom Studenten-Café übers Museum bis hin zur Orangerie.

Raus aus dem Alltag – und schon kommen die guten Ideen?

Bauhus: Das ist ein Anfang. Bei der Ideenfindung geht es darum, eine offene Atmosphäre zu schaffen, ein offenes Ohr auch für scheinbar Abwegiges zu haben und den Zufall herauszufordern. Hinzu kommt: Die größten Ideen haben ihren Ursprung  oft in Fehlern und Missverständnissen. Für uns ist kein Gedanke falsch oder dumm, sondern eine Perspektive. Kreativität entspringt dem Chaos, durch Struktur wird sie zum Plan. Diesen Prozess regen wir in den Ideen-Minings an.

Wie läuft das Ideen-Mining ab?

Bauhus: Einen Tag lang widmen ungefähr zwölf Köpfe ihre gesamte Energie einer Fragestellung des jeweiligen Auftraggebers. Beteiligt sind neben bis zu drei Vertretern des Fragestellers auch von uns angesprochene Wissenschaftler, Studierende und sachkundige Bürgerinnen und Bürger, aber auch fachfremde Menschen. In diesem heterogenen Kreis gehen wir aus ganz unterschiedlichen Warten an Herausforderungen heran. Zwei Moderatoren übernehmen die Gesprächsführung. Sie wurden speziell dafür ausgebildet, gruppendynamische Prozesse wirkungsvoll zu nutzen, um Ideen zu erzeugen. Am Vorabend gibt es in der Regel eine Einführungsveranstaltung. Wichtig ist: Bis auf die Fragesteller und Moderatoren kennen die Teilnehmer die genaue Fragestellung nicht. Sie starten somit auf dem gleichen Level – unabhängig von ihrer Expertise.

Und dann?

Bauhus: Wir vermitteln bekannte und neue, selbst entwickelte Kreativitätstechniken, die weit über ein Brainstorming hinausgehen. Die Teilnehmer sitzen alle im selben Boot und müssen sich arrangieren. Durch ständige Anreize gibt es für sie keine Möglichkeit abzuschalten – das wird auch gewünscht. Bei all unseren bisherigen Ideen-Minings hat sich gezeigt: Es gibt für jedes Problem nicht einen, sondern Dutzende von Lösungsansätzen. Diese werden dokumentiert im Ideen-Bericht, der die Ergebnisse des Tages zusammenfasst und als Grundlage für die anschließende Umsetzung dient.

Gibt es Themen die außen vor bleiben?

Bauhus: Wir widmen uns keinen unethischen und personellen Fragestellungen. Überzogene Erwartungen à la „Wir wollen jetzt die Idee für einen ausgeglichenen kommunalen Haushalt entwickeln“ werden wir im Vorgespräch auch runterbrechen müssen. Ansonsten ist fast alles möglich. Übrigens: Auf Wunsch wird alles Besprochene vertraulich behandelt, inklusive der Unterschrift einer Verschwiegenheitserklärung.

Nach dem Ideen-Mining kehren die Vertreter der 14 Finalisten des Ideenwettbewerbs wieder an den Schreibtisch zurück in den Alltagstrott,...

Bauhus: ...strotzen vor Ideen und wollen diese umsetzen. Ja. Ich rate dazu, die Dinge langsam und strukturiert anzugehen. Die Voraussetzungen aber, die Ideen zu den Kollegen weiterzutragen, sind bei uns in der Regel günstig: Die Kommunen, Kreise und kommunalen Unternehmen, die beim NRW.BANK.Ideenwettbewerb und bei den Ideen-Minings mitmachen, sind offen für Veränderungen und wollen von sich aus etwas bewegen – gar nicht zu sprechen von Bürgerinitiativen, die von sich aus bis ins kleinste Glied Engagement zeigen. Ich freue mich, wenn sie sich jetzt beim Ideenwettbwerb beteiligen, und natürlich auf alle weiteren Finalisten!

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