Service für die gewerbliche Wirtschaft durch die IHK in der Region Ostwestfalen-Lippe
Axel Martens, Hauptgeschäftsführer der IHK Lippe zu Detmold (Bild: NRW.BANK)

Mittelstand

//Mittelstand: Wie Industrie- und Handelskammern dem Mittelstand zur Seite stehen

Die Industrie- und Handelskammern (IHK) gehören zu den wichtigen Ansprechpartnern der gewerblichen Wirtschaft. Im Gespräch erläutert Axel Martens, Hauptgeschäftsführer der rund 23.000 Mitglieder starken IHK Lippe zu Detmold, welche Leistungen die Kammern für Mittelständler anbieten.

Herr Martens, im Reigen der Beratungs- und Unterstützungsinstitutionen für den Mittelstand sind die Industrie- und Handelskammern einer von mehreren Spielern. Was macht die Kammern in diesem Zusammenhang einmalig?

Axel Martens: Die Industrie- und Handelskammern sind Selbstverwaltungseinrichtungen der gewerblichen Wirtschaft, finanziert von Industrie, Handel und Dienstleistungsunternehmen. Dabei vertreten wir nicht einseitig Brancheninteressen, sondern stellen immer die gesamtwirtschaftlichen Interessen einer Region in den Vordergrund. Zudem wirken wir als Interessenvertretung bei der Gestaltung von Wirtschaftspolitik mit. Wir übernehmen auch Verwaltungsaufgaben anstelle des Staates. So sind wir auf dem Gebiet der Berufsausbildung zuständig für die Anerkennung der Ausbildungsbetriebe und führen die Prüfungen durch. Die Kombination aus all dem macht die Einmaligkeit der IHKs aus.

Welche sind die Hauptaufgabengebiete, in denen Sie Ihre Mitgliedsunternehmen unterstützen?

Axel Martens: Wir begleiten Unternehmer auf ihrem kompletten Weg, also von der Gründung bis hin zur Nachfolgeregelung. Dazu unterstützen wir bei Personalfragen, beruflicher Ausbildung und Weiterbildung. Außerdem helfen wir bei Standortfragen – ob Infrastruktur, Tourismus- oder Stadtentwicklung und alles, was das Umfeld betrifft wie Energie und Straßenverkehr. Auf den Betrieb bezogen gibt es zudem viele rechtliche Fragen von Gründungsrecht über Firmierungen und Arbeitsrecht bis Handelsrecht, bei denen wir Hilfestellung geben. Aber auch bei ganz anderen Themen unterstützen wir Unternehmen und starten dann Initiativen vor Ort, beispielsweise zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Hauptgeschäftsführer Axel Martens: Die Kammern bieten Serviceleistungen, vertreten die Interessen der Mitglieder und übernehmen hoheitliche Aufgaben (Bild: NRW.BANK) Hauptgeschäftsführer Axel Martens: Die Kammern bieten Serviceleistungen, vertreten die Interessen der Mitglieder und übernehmen hoheitliche Aufgaben. (Bild: NRW.BANK)

Wie Sie bereits erwähnten, wollen IHKs für den Mittelstand aber auch politisch etwas erreichen ...

Axel Martens: Die Leistung besteht nicht nur aus Dienstleistungen, sondern auch aus der Interessenvertretung. Wir sind Sprachrohr der gewerblichen Wirtschaft vor Ort, in der Gemeinschaft der IHKs auch gegenüber der Landesregierung und der Bundesregierung bis hin zur EU-Kommission. In allen Bereichen haben wir Spezialisten, die sich mit einzelnen Fragen auseinandersetzen. Weil wir eine Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft sind, spielt die Unternehmerschaft bei der Themensetzung natürlich die entscheidende Rolle. Dabei entwickeln sich im Dialog zwischen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Unternehmern ständig neue Aufgaben. Wir orientieren uns dabei an den Bedürfnissen. So sind besonders Energie, Technologie- und Umweltfragen in den letzten Jahren hinzugekommen.

Apropos Energie: Wie unterstützt die IHK die Unternehmen beim Thema Energiewende?

 

Axel Martens: Energie hat sich in den letzten Jahren zu einem zentralen Thema der IHK entwickelt. Für die Unternehmen sind dabei - auch wegen der Kostenentwicklung - die Themen Eigenerzeugung und Energieeffizienz besonders wichtig. Denn hier haben sie die Chance, langfristig an der Kostenschraube zu drehen und ihren Beitrag zur Energiewende zu leisten. Über die vielfältigen Möglichkeiten informieren wir unsere Mitglieder in zahlreichen Fachveranstaltungen und unserem Arbeitskreis Energie OWL. Vor allem bieten wir aber auch Energieeffizienzgespräche im Unternehmen an. Da geht es dann meist um konkrete Einspar- und Fördermöglichkeiten.

 

Die Globalisierung der Wirtschaft ist ein weiterer Bereich, der selbst für mittelständische Unternehmen immer wichtiger wird. Was tun Sie in diesem Zusammenhang?

 

Axel Martens: Das ist ein originäres, klassisches Themenfeld für IHKs, in dem wir sehr intensiv beraten. Abgedeckt wird in Seminaren und Einzelgesprächen die technische Beratung, also Fragen zum Außenhandel wie: Mit welchen Dokumenten hat man es zu tun? Was muss man zollrechtlich beachten? Wie läuft eine Exportfinanzierung ab? Wir geben aber auch Hinweise, zum Beispiel was mit einem Akkreditiv zu machen ist. Darüber hinaus stellen wir auch Dokumente aus, die im Außenhandel nützlich sind. Ein Großteil der Wirtschaftsverwaltung ist ja auf die IHKs übertragen, zum Beispiel Ursprungszeugnisse, Beglaubigungen, Zolldokumente und Ähnliches. Insofern hat jedes Außenhandel treibende Unternehmen ohnehin Kontakt zu uns.

Daneben bieten wir Marktberatung für Auslandsmärkte durch unsere Fachleute, entweder im Einzelgespräch oder intensiver an besonderen Ländersprechtagen, die wir regelmäßig mit unserer Schwesterorganisation, den deutschen Auslandshandelskammern, durchführen. Dazu präsentieren sich Kollegen und ganze Ländergruppen bei uns oder beraten Firmen in Einzelgesprächen. Außerdem gibt es einen „Export-Stammtisch“, in welchem Unternehmer von Unternehmern lernen. Das heißt, sich mit exporterfahrenen Fachleuten aus Unternehmen treffen, etwa zum Erfahrungsaustausch oder einfach um zu präsentieren, was man gerade macht. Darüber hinaus organisieren wir gemeinsam mit anderen IHKs die Teilnahme an Messen. Und nicht zuletzt besteht für unsere Mitglieder die Möglichkeit, sich an Delegationsreisen zu beteiligen, die häufig zusammen mit der Landesregierung oder Landeseinrichtungen durchgeführt werden.

Auch zu den Themen Energieeffizienz und Globalisierung beraten die Industrie- und Handelskammern ihre Mitglieder (Bild: NRW.BANK) Auch zu den Themen Energieeffizienz und Globalisierung beraten die Industrie- und Handelskammern ihre Mitglieder. (Bild: NRW.BANK)

Wie halten Sie Kontakt zu Mittelständlern im Bereich Lippe?

Axel Martens: Eine IHK ist von vornherein Treffpunkt der regionalen Wirtschaft. Das bestätigt auch eine Umfrage, in der Unternehmer gefragt wurden: „Waren Sie schon mal in Ihrer IHK?“ Bei uns haben 50 Prozent der Unternehmen mit „ja“ geantwortet, also jeder zweite Unternehmer war tatsächlich schon hier – ob in Arbeitskreisen, bei Veranstaltungen, in Gremien oder im Rahmen der Berufsausbildung.

Aber natürlich kommunizieren wir auch über Medien. Wir publizieren ein IHK-Magazin, was die aktuellen Themen aufgreift, aber das mit einem starken lokalen und persönlichen Teil auf den regionalen Wirtschaftsraum Bezug nimmt und als Marktplatz für verschiedene Angebots- und Nachfragebörsen fungiert. Zudem haben wir einen umfassenden Internetauftritt mit großem Informationsangebot. Darüber hinaus sind wir in den sozialen Medien und Netzwerken unterwegs. Unter unserer Moderation haben sich verschiedene Social-Media-Gruppen gebildet.

Wie ist die IHK aufgestellt? Gibt es für Mittelständler spezielle Ansprechpartner?

Axel Martens: Wir haben für alle Fragen spezielle Ansprechpartner. Unser Faltblatt „Wegweiser“ gibt dazu einen guten Überblick.

Die wenigsten Neukunden werden mittlerweile über die Zentrale vermittelt. Viele haben sich im Vorfeld bereits informiert und über die Schlagwortsuche die entsprechend zuständige Person ausfindig gemacht. Standardfragen können in der Regel über die elektronischen Medien bereits beantwortet werden. Viele Informationen müssen zudem von uns nicht mehr per Post verschickt werden. Der Interessent kann sie sich sofort im Internet herunterladen. Aber natürlich helfen wir bei Bedarf die richtige Information inmitten der Informationsfülle zu finden.

Das Wichtigste zuletzt: Wie ist der Mittelstand in Lippe aufgestellt?

Axel Martens: Lippe ist eine sehr industrielastige Region und geprägt durch viele mittelständische Familienbetriebe. Es gibt so gut wie keine konzerngebundenen Unternehmen. Den starken Strukturwandel in den letzten zehn Jahren bekommt besonders die holzbe- und -verarbeitende Industrie zu spüren. Führende Branche und auch größter Arbeitgeber und Umsatzträger ist die Elektrotechnik mit einigen Weltmarktführern – gerade in der elektronischen und elektrischen Verbindungstechnik. Außerdem sind Maschinenbau, Kunststoffverarbeitung, Chemie und ein bedeutender Automobilzulieferer, der Sitze für LKW herstellt, hier ansässig.

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