Beratung und Begleitung von Existenzgründern durch die IHK in der Region Ostwestfalen-Lippe
Maria Klaas, Geschäftsführerin der IHK Lippe zu Detmold (Bild: NRW.BANK)

Gründung

//Gründung: Überzeugen mit Persönlichkeit und Service

Existenzgründern wird geholfen: Im Netzwerk der Unterstützer von Gründungsvorhaben spielen die Industrie- und Handelskammern (IHK) eine wichtige Rolle. Im Gespräch verrät Maria Klaas, Geschäftsführerin der IHK Lippe zu Detmold und Spezialistin im Bereich Gründung und Nachfolge, worauf es bei einer Existenzgründung ankommt und wie die Kammern Gründungsvorhaben unterstützen.

Frau Klaas, wie viele Existenzgründer begleiten Sie im Jahr bei der IHK Lippe zu Detmold?

Maria Klaas: Wir haben etwa 400 Beratungsgespräche mit Gründungsinteressierten pro Jahr. Davon begleiten wir rund 200 Gründer persönlich. Der Rest sind Telefonberatungen.
 

Haben Sie dabei in den vergangenen Jahren einen Schwerpunkt ausmachen können?

Maria Klaas: Der Trend geht hin zur Dienstleistung. Hausmeisterdienst, Internetseitengestaltung, Veranstaltungsservice, Seniorenbetreuung, Büroservice aber auch der Onlinehandel – das sind die typischen Bereiche. Da wird schnell gegründet, aber auch eher wieder geschlossen.

Was unterscheidet denn in dem Bereich den erfolgreichen vom nicht erfolgreichen Gründer?

Maria Klaas: Persönlichkeit, Enthusiasmus, Überzeugungskraft und Risikobereitschaft – und die Bereitschaft, am Ball zu bleiben. Der Existenzgründer muss die Frage „Warum sollte der Kunde bei mir kaufen?“ täglich neu beantworten können. Er sollte also dem Kunden erklären können, wo der Mehrwert liegt, wenn er gerade bei ihm ein Produkt oder eine Dienstleistung erwirbt. Erfolgreichen Existenzgründern ist bewusst, dass sie sich nicht über den Preis verkaufen, sondern nur mit Service und Persönlichkeit überzeugen. Denn das Produkt kann man in Zeiten des Internets überall bekommen.
 

Wie sollte der Existenzgründer bei seinen Vorhaben vorgehen?

Maria Klaas: Er sollte nicht spontan aus einer Situation oder aus einem Bauchgefühl heraus einfach loslegen, sondern planvoll an das Vorhaben herangehen und über den ersten Tag hinaus denken. Zum planvollen Handeln gehört, Informationen zu recherchieren und aufzuarbeiten. Und dazu gehört auch, sich beraten zu lassen. Es gibt viele Anlaufstellen. Als erstes sollte die Gründerin oder der Gründer sich an die Industrie- und Handelskammern oder die Handwerkskammern wenden. Die Kammern helfen, weitere Ansprechpartner in der jeweiligen Region zu finden. Der Gründer muss viele Überlegungen anstellen und sich selbst und anderen viele Fragen stellen. Wer das durchlaufen hat, hat erfahrungsgemäß eine viel größere Chance, die kritischen ersten Jahre zu überstehen und richtig durchstarten zu können. Es ist fatal, wenn jemand sein Hobby zum Beruf macht, dabei nur an Fachliches denkt und die betriebswirtschaftliche Seite außer Acht lässt. Es reicht eben nicht, einen Businessplan aus dem Internet herunterzuladen und nur ein paar Sätze von sich selbst hineinzuschreiben.

Maria Klaas unterstützt Jungunternehmer beim Weg in die Selbstständigkeit (Bild: NRW.BANK) Maria Klaas unterstützt Jungunternehmer beim Weg in die Selbstständigkeit. (Bild: NRW.BANK)

Sie sprechen von Fragen, die sich ein Gründer stellen soll. Welcher Natur sollen die sein?

Maria Klaas: Der Existenzgründer muss sich fragen, ob er eine Unternehmerpersönlichkeit ist. Ist er bereit zehn bis vierzehn Stunden für das Geschäft zu arbeiten und auf Urlaub und Freizeit zu verzichten? Trägt die Familie das Vorhaben mit und unterstützt sie den Gründer? Welchen Mehrwert bietet er seinen Kunden? Welchen Preis sind die Kunden bereit für das Produkt beziehungsweise die Dienstleistung zu bezahlen? Wo kann Ware zu welchen Konditionen bezogen werden und gibt es Mindestabnahmemengen? Ganz entscheidend ist die Frage nach der Höhe des Gewinns, den der Gründer benötigt, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, Steuern und Abgaben zu zahlen und Rücklagen zu bilden. Außerdem müssen sie in der Lage sein, vielfältige Aufgaben vom Einkauf über Marketing, Verkauf, Personalführung bis hin zu Buchhaltung und Organisation zu erledigen. Denn Gründer starten meist als Einzelkämpfer. Der Gründer muss auch wissen, welche Investitionen er tätigen muss und wie viel Kapital benötigt wird. Heute kann man mit kleinsten finanziellen Mitteln gründen, doch haben viele Gründer neben Informationsdefiziten auch finanzielle Defizite, da sie nicht bedenken, dass Werbung in jedem Fall notwendig ist und Geld kostet. Denn wenn sich der Gründer nicht präsentiert, dann erfährt auch kein Kunde von ihm.
 

Aber Existenzgründer erfahren viel Unterstützung. Zum Beispiel von der IHK Lippe zu Detmold. Wie helfen Sie bei Gründungsvorhaben?

Maria Klaas: Wir haben ein gestaffeltes Verfahren: Es reicht von der Versendung von Infomaterial über Seminarangebote bis hin zum persönlichen Beratungsgespräch. Als Zusatzangebot setzen wir mit dem „Lippischen Senior Experten Service“ den Sachverstand pensionierter Unternehmer für die Betreuung, Beratung und Begleitung von Existenzgründern ein. Diese ehrenamtlich Tätigen engagieren sich zum Beispiel bei den Mikrodarlehen. Außerdem moderieren wir als IHK das „Go! Gründungsnetzwerk: Lippe“, aus dem sich verschiedene Einzelprojekte entwickelt haben, zum Beispiel der „GründungsCheck“. Bei diesem Angebot kann der Existenzgründer seinen Businessplan mit einer kleinen Jury diskutieren, bevor er damit zu seiner Bank geht.

Geht es dabei immer nur um Neugründungen?

Maria Klaas: Nein. Natürlich ist das Thema Unternehmensnachfolge ebenfalls für uns ein gravierender Punkt. Wir betreuen circa 3.200 Unternehmen, deren Inhaber älter als 60 Jahre sind. Wenn es da keine andere Person in der Führungsrolle gibt, versuchen wir schon frühzeitig Pflöcke einzuschlagen. Wir kümmern uns also bei Existenzgründung und Nachfolge um beide Seiten: um den Unternehmer, der über seine Nachfolge nachdenken muss, und um den Gründer.
 

Unterstützt mich eigentlich die IHK, wenn ich noch kein Gewerbe angemeldet habe und noch kein Mitglied bin?

Maria Klaas: Selbstverständlich. Sie sind ja ein potenzieller Kunde. Die IHK Lippe zu Detmold ist zertifiziertes STARTERCENTER NRW, deshalb machen wir die Basisberatung für alle Bereiche. Das Ziel der STARTERCENTER NRW ist ja gerade, dass es einen Anlaufpunkt für alle gibt und dass keiner abgewiesen wird. Eine anschließende intensive Beratung im persönlichen Gespräch oder die Bearbeitung eines Förderantrags übernimmt dann die jeweilige Fachkammer.

Die Spezialistin im Bereich Gründung und Nachfolge berät sowohl bei Neugründungen als auch bei Unternehmensnachfolgen (Bild: NRW.BANK) Die Spezialistin im Bereich Gründung und Nachfolge berät sowohl bei Neugründungen als auch bei Unternehmensnachfolgen. (Bild: NRW.BANK)

Helfen Sie auch bei der Finanzierung von Gründungsvorhaben?

Maria Klaas: Wir sind Anlaufstelle für Mikrodarlehen, helfen bei der Antragstellung. Wir arbeiten da in guter Partnerschaft mit der NRW.BANK zusammen. Wir unterstützen Existenzgründer auch bei der Beantragung von Zuschüssen, unter anderem als Regionalstelle für Beratungskostenzuschüsse und bei der regionalen Wirtschaftsförderung.
 

Auf welchen Wegen sprechen Sie die Existenzgründer an?

Maria Klaas: Über ausführliches Informationsmaterial, das Angebot von Existenzgründungsseminaren und persönliche Beratungsgespräche. Wir verlassen aber auch unser Büro. In der Reihe „Gründerforum vor Ort“ informieren wir in wechselnden Städten und Gemeinden im Rahmen des Gründungsnetzwerks Lippe über den Schritt in die Selbstständigkeit. Das kommt hervorragend an. Die Hemmschwelle ist niedrig, weil der Interessierte keine Fragen stellen muss, sondern einfach zuhören kann. Das ist nicht so verbindlich wie ein persönliches Beratungsgespräch. Zur Sprache kommen Gründungsvoraussetzungen, Rechtsformen, Finanzierung und Unterstützung für Unternehmer sowie Steuern.

Was kostet mich als Existenzgründer die Unterstützung durch die IHK?

Maria Klaas: Das Informationsmaterial und die Gespräche sind kostenlos. Bei den Seminaren ist das unterschiedlich. Bei uns kostet das Existenzgründungsseminar zum Beispiel 45 Euro.
 

Woran misst die IHK bei Existenzgründern ihren eigenen Erfolg bei der Gründungsberatung?

Maria Klaas: An der Überlebenswahrscheinlichkeit. Genauso wichtig ist es aber auch, wenn wir Menschen davon überzeugen können, dass für sie der Weg in die Selbstständigkeit falsch oder noch zu früh ist.
 

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