Pre-SeedFonds der NRW.BANK fördert Weg von der Forschungsidee bis zum marktfähigen Produkt
Dr. Jörg Fregien (links) und Stefan Büchter im Gespräch (Bild: NRW.BANK)

Gründung

//Brutkasten für die Wissenschaft – der Life Science Inkubator in Bonn

Know-how und Innovationen sind die wichtigsten „Rohstoffe“ der deutschen Wirtschaft. Doch benötigen Wissenschaftler Raum, Zeit und finanzielle Mittel, um ihre Forschungsideen bis zu einem marktfähigen Produkt fortzuentwickeln. Der Life Science Inkubator (LSI) in Bonn bietet ausgewählten Wissenschaftlern diese Möglichkeiten – und die NRW.BANK unterstützt sie mit Kapital aus ihrem Pre-Seed Fonds. Mit Stefan Büchter, Leiter Fonds- und Business-Management, und Dr. Jörg Fregien, Geschäftsführer der LSI GmbH, sprachen wir über die Perspektiven dieses Engagements.

Herr Büchter, Herr Dr. Fregien, seit vier Jahren gibt es den LSI. Was ist dessen Aufgabe und Ziel?

Dr. Jörg Fregien: Wir sind gewissermaßen „Brutkasten“ für die Wissenschaft. Das bedeutet, wir nehmen junge Forscher in unser Team auf, die vielversprechende Ideen aus dem Bereich Life-Science haben, mit deren Entwicklung sie aber noch ganz am Anfang stehen. Im Inkubator wird das Forschungsprojekt bis hin zur Marktreife entwickelt. Ziel ist immer die anschließende Ausgründung und damit Kommerzialisierung des Projekts.

Stefan Büchter: Um dieses Ziel zu erreichen, geben wir den Wissenschaftlern das, was Ihnen am Anfang ihrer Forschungsprojekte fehlt: Zeit, Raum und Geld. Die Finanzierung erfolgt über den Pre-Seed Fonds der NRW.BANK, der einen Großteil der Anteile am LSI hält. Damit wollen wir für optimale Rahmenbedingungen in der Forschung sorgen und somit einen Nährboden für die spätere Firmengründung schaffen.


Welche Rahmenbedingungen sind das konkret?

Stefan Büchter: Die in einem mehrstufigen Verfahren ausgewählten Forscher und Entwickler können die Infrastruktur des LSI nutzen. Sie erhalten also Arbeitsräume und Labors in den Räumlichkeiten des Forschungszentrums caesar sowie die für ihr Projekt erforderlichen Geräte. Während der Inkubationszeit sind die Forscher fest beim LSI angestellt, sodass ihre persönliche finanzielle Situation in dieser Zeit abgesichert ist.

Jörg Fregien: Neben der materiellen Ausstattung vermittelt der LSI aber auch Wissen. Vielen Wissenschaftlern fehlen insbesondere betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Die Gefahr des Scheiterns nach der Ausgründung ist dann groß. Durch eine konsequente und enge Begleitung der Projekte sowie die Weiterqualifizierung der Wissenschaftler legen wir bereits frühzeitig die Grundlagen für eine erfolgreiche spätere Ausgründung.
 

Dr. Jörg Fregien (Bild: NRW.BANK) Dr. Jörg Fregien vermittelt jungen Wissenschaftlern Gründungswissen. (Bild: NRW.BANK)
Stefan Büchter (Bild: NRW.BANK) Stefan Büchter begleitet erfolgversprechende Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft. (Bild: NRW.BANK)

Ist es das, was das Modell des Inkubators so einzigartig macht?

Jörg Fregien: Ja, unter anderem. Zusätzlich übernimmt der LSI auch Managementaufgaben wie beispielsweise die Sicherung von Patenten oder er unterstützt bei der Entwicklung des Geschäftsmodells und der Erstellung des Businessplans. Daneben überprüft das  Managementteam des LSI fortlaufend die Kommerzialisierbarkeit des Projekts durch Beobachtung der potenziellen Zielmärkte und die enge Einbindung industrieller Partner.

Stefan Büchter: Eine weitere Besonderheit ist die Organisationsstruktur. Durch die Beteiligung öffentlicher, privater und wissenschaftlicher Institutionen als Geldgeber ist der LSI ein PPP, ein Public-Private-Partnership. Unter anderem gehören der Bund, das Land Nordrhein-Westfalen und die NRW.BANK zu den Trägern, aber auch die Max-Planck-Förderstiftung, die Fraunhofer-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft.



Hört sich nach optimalen Bedingungen an. Warum sollte ein Forscher dann überhaupt ausgründen?


Jörg Fregien: Bereits mit Einstieg in den Inkubator ist ganz klar, dass der sogenannte Spin-off das Ziel ist: die Ausgründung. Die Anbindung des Projekts an den Inkubator ist daher von vornherein auf maximal drei Jahre befristet, um auch auf diese Weise das Ziel der Kommerzialisierung durch Ausgründung nachdrücklich zu unterstreichen. Dauerhaft im Inkubator zu bleiben geht also nicht.

Stefan Büchter: Um jedoch den schwierigen Schritt in die Selbstständigkeit zu erleichtern, steht der LSI den Unternehmen auch in dieser Phase mit seinem umfangreichen Netzwerk und als Ansprechpartner zur Seite. Zusätzlich  stellt der an den Inkubator angeschlossene Pre-Seed Fonds Startkapital zur Verfügung und hilft damit, die Lücke zwischen Grundlagenforschung und Gründungsfinanzierung zu schließen. Später kommen auch andere Förder- und Finanzierungsinstrumente der NRW.BANK sowohl auf der Eigenkapital- als auch auf der Fremdkapitalseite in Frage, beispielsweise der NRW.BANK.Seed Fonds.

Der Life Science Inkubator stellt Forschern Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung. (Bild: NRW.BANK) Der Life Science Inkubator stellt Forschern Arbeitsräume, Laborplätze und die erforderlichen Geräte zur Verfügung. (Bild: NRW.BANK)

Sie haben ganz viele Vorteile für die Wissenschaftler genannt. Was haben LSI und NRW.BANK von dem Engagement?

Jörg Fregien: Grundsätzlich steht die Förderung innovativer Projekte im Bereich Life Science für alle Partner an erster Stelle. Ziel ist die Förderung von innovativen Unternehmensgründungen und die Schaffung von Arbeitsplätzen am Standort in Bonn – deswegen wird der Inkubator auch durch Bundes- und Landesmittel gefördert. In der Forschungseinrichtung des LSI verbleiben die  Patente, die in dem Unternehmen verwertet werden.

Stefan Büchter: Am Anfang kann man natürlich nicht sicher sein, ob ein Projekt auch erfolgreich sein wird. Als Förderbank für Nordrhein-Westfalen ist es aber unser erklärtes Ziel, dass eine Gründung, die auf einer tragfähigen Idee basiert, nicht an der Finanzierung scheitert. Wenn sich die Tragfähigkeit der Idee dann bewahrheitet und die Unternehmen über die erste kritische Phase hinaus und erfolgreich sind, werden die Unternehmensbeteiligungen in die Hände neuer Investoren gelegt, die die weiteren Wachstumsschritte finanzieren. Die Gewinne aus dem sogenannten Exit kommen dann auch dem Fonds zugute.


Ein gutes Modell. Wie kommt es, dass es das in der Form noch nirgendwo anders gibt?

Jörg Fregien: Derzeit sind wir dabei, einen neuen Standort in Dresden nach dem gleichen Modell zu etablieren. Die Zentrale bleibt aber Bonn. In Niedersachsen planen wir eine Kooperation mit dem Laser-Laboratorium Göttingen e.V. – hier allerdings auf einem anderen Fachgebiet. Statt um Life Science geht es dort um Photonics, Laser und Optik.

Stefan Büchter: Heißt zusammengefasst: Mit dem LSI haben wir ein Modell etabliert, das in seiner Ausgestaltung sowohl auf andere Standorte, als auch auf andere Wissenschaftsgebiete übertragbar ist. Damit sind wir Vorreiter  für neue Wege und Möglichkeiten des Transfers von Technologien aus der Wissenschaft in den Markt.

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