Existenzgründung - was Gründer auszeichnet, Interview Wolfgang Bischoff, Wirtschaftsförderer im Kreis Steinfurt
Wolfgang Bischoff, Wirtschaftsförderer im Kreis Steinfurt (Bild: Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt mbH)

Gründung

//Selbstständige müssen „selbst“ und „ständig“ für ihr Unternehmen da sein

Ein Unternehmen zu gründen ist immer eine Fahrt ins Ungewisse, die Mut und Maß erfordert. Was Gründer auszeichnet, wie sie starten und worauf es dabei ankommt – die Fragen beantwortet im Interview jemand, der es wissen muss: Wolfgang Bischoff, Wirtschaftsförderer im Kreis Steinfurt aus Passion.

Herr Bischoff, Sie haben seit mehr als 20 Jahren immer wieder mit Gründern zu tun. Über welche Eigenschaften und Kenntnisse muss ein Existenzgründer verfügen?   

Wolfgang Bischoff: Das ist ein ganzer Kanon von Eigenschaften und Kenntnissen. Fangen wir mit den persönlichen Voraussetzungen an: Die wesentlichen Eigenschaften, die einen erfolgreichen Unternehmer auszeichnen, sind Freude am Umgang mit Menschen, die Fähigkeit, sich und sein Produkt oder seine Dienstleistung verkaufen zu können, sowie die Fähigkeit zur Selbstorganisation und Menschenführungsqualitäten. Eine robuste Gesundheit und die Akzeptanz innerhalb der Familie bilden weitere wichtige Grundvoraussetzungen. Weiterhin sind natürlich eine Berufsausbildung und einige Jahre Berufserfahrung vor allem in traditionellen Branchen wie dem Handwerk ein Muss. Ebenso sollte auch ein kaufmännisches Grundverständnis vorhanden sein. Der Steuerberater allein wird es auf Dauer nicht regeln können. Wer selbstständig ist, muss sich im Klaren sein, dass man wortwörtlich „selbst“ und „ständig“ für sein Unternehmen da ist.

 

Von welcher Hauptmotivation zur Gründung sollte sich ein Existenzgründer leiten lassen?

Wolfgang Bischoff: Vorrangig sollte die Realisation eigener Wünsche und Vorstellungen die Hauptmotivation sein. Unternehmer und sein eigener Chef zu sein, bedeutet ganz viel Freiheit, sich selbst zu verwirklichen. Wer allerdings glaubt, damit nur materiell besonders gut gestellt zu sein, der wird sich täuschen. Nur wer an sich und seine Überzeugungen glaubt und an ihnen festhält, wird letztlich erfolgreich sein. Auch gegen vielerlei Widerstände und Hindernisse.

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Existenzgründung?

Wolfgang Bischoff: Eine gründliche Vorbereitung sollte dem Zeitpunkt der Existenzgründung unbedingt vorausgehen. Dafür sollte man sich umfassend beraten lassen. Erst nach Abschluss aller Vorbereitungen sollte die Gründung erfolgen. Insbesondere ein ausführlicher Businessplan sollte vorhanden sein. Von der ersten Geschäftsidee bis zur Gewerbeanmeldung können durchaus sechs bis neun Monate verstreichen. Überstürzte Gründungen, um die vermeintlich „günstige Gelegenheit" auszunutzen, enden nicht selten im Chaos.

 

Wer ist für Existenzgründer der wichtigste oder der erste Ansprechpartner?

Wolfgang Bischoff: Professionelle und meist kostenlose Hilfe gibt es zunächst bei den Wirtschaftsförderern oder den Kammern. Der Besuch eines Gründungsseminars und anschließende Einzelberatungen bei einem Gründungsberater sollten folgen. STARTERCENTER bieten diese kostenlos an. So ist man gezwungen, seine eigenen Überlegungen zu Papier zu bringen und diese von einem Profi gegenchecken zu lassen. Das prägt und gibt Sicherheit! Alle statistischen Erhebungen belegen, dass eine derart begleitete Existenzgründung die größten Erfolgsaussichten hat und auch langfristig tragfähig ist. 

 

Was ist wichtiger: eine gute Idee oder Startkapital?

Wolfgang Bischoff: Eindeutig muss zunächst die richtige Idee oder das richtige Produkt her. Wenn das nicht gegeben ist, hilft auch ein günstiges Startkapital nichts. Im Gegenteil: Ohne das richtige Fundament macht sich der Gründer selbst unglücklich. Ganz ohne Geld geht es aber auch nicht. Auch wenn anfangs keine größeren Investitionen erforderlich sind, sollte man zumindest in der Lage sein, in der Anlaufphase seine laufenden Kosten und seinen Lebensunterhalt finanzieren zu können.

 

Ist ein Gründer gut beraten, erst einmal klein zu starten?

Wolfgang Bischoff: Ein überschaubarer Unternehmensstart lässt schnell erkennen, wie die Resonanz der Kundschaft aussieht. Funktioniert die Sache nicht, ist nicht viel Kapital in den Sand gesetzt worden. Der Schaden ist vielleicht schmerzlich, davon geht aber die Welt nicht unter. Unternehmensexpansionen werden erst bei positiven Signalen eingeleitet. Dann kann man schon konkret seine eigene Marktposition einschätzen. Also lieber klein starten und dann gesund wachsen, als nach einem ungesunden Höhenflug rasch ins Bodenlose abzustürzen.

 

Gibt es denn ein Rezept, wie man sich vor dem Scheitern schützt?

Wolfgang Bischoff: Der Glaube an sich selbst und sein Produkt steht auch hier im Mittelpunkt. Aber das muss auch kritisch hinterfragt und gewürdigt werden. Mag der Businessplan noch so plausibel erscheinen, der Unternehmensstart ist immer so etwas wie die Fahrt auf hoher See. Man kann die Freiheit genießen, aber muss auch immer präsent sein, um stets die Segel richtig gesetzt zu haben. Fehler werden dabei nicht verziehen und führen schnell zum Kentern. Aber da gibt es eben auch die angesprochenen Lotsen, die einem helfen, den richtigen Weg in möglichst ruhiges Fahrwasser zu finden, um den richtigen Kurs einzuschlagen und um auf Kurs zu bleiben. Diese Hilfe in Anspruch zu nehmen, sollte man sich nicht scheuen. Sie ist ein ganz wichtiger Schutz, um ein Scheitern zu verhindern. 

Zur Person: Wolfgang Bischoff…

… ist 62 Jahre alt. Ab Ende der 1970er-Jahre arbeitete er für das Amt für Wirtschaft und Verkehr im Kreis Steinfurt, war Geschäftsführer mehrerer Gesellschafften wie der Kreissiedlungsgesellschaft, des Güterverkehrszentrums Rheine und des Airportparks FMO. Seit 1995 ist er Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung, 2001 wurde er parallel zu seiner Amtsleiterfunktion Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Steinfurt, kurz: WESt. Zusätzlich ist er Mitglied in zahlreichen Wirtschaftsförderungsgremien der Region.

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