Klaus Töpfer hob auf der 6. Private Equity Konferenz der NRW.BANK vor rund 700 Teilnehmern die Bedeutung der Energiewende als Innovationsmotor hervor.
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Klaus Töpfer

Gründung

//6. Private Equity Konferenz der NRW.BANK: Energiewende bietet unternehmerische Chancen

„Knappheit ist des Talentes Schwester“, zitierte Prof. Klaus Töpfer den Dichter Anton Tschechow. Der frühere Umweltminister und ehemalige Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen hob auf der 6. Private Equity Konferenz die Bedeutung der Energiewende als Innovationsmotor hervor. Rund 700 Unternehmer und Vertreter der Beteiligungsbranche waren dem Ruf der NRW.BANK ins Düsseldorfer Congress Center gefolgt, sich über Eigenkapitallösungen für junge Technologieunternehmen auszutauschen. Schirmherr war NRW-Wirtschaftsminister Harry K. Voigtsberger.

Der Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf dem Thema „Ressourceneffizienz und nachhaltige Energieerzeugung“ ‒ dem Megathema der kommenden Jahre und eine Steilvorlage für den Gastredner Klaus Töpfer. Dieser leitet derzeit als Gründungsdirektor das Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam. Dort wird Spitzenforschung zu den Themen Klimastabilität, Energiesicherheit und Ressourceneffizienz betrieben.

Katja Dofel, Klaus Töpfer, Dr. Peter Güllmann und Dietrich Suhlrie Moderatorin Katja Dofel, Gastredner Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Klaus Töpfer, Gastgeber Dr. Peter Güllmann und NRW.BANK-Vorstand Dietrich Suhlrie (v.l.n.r.).

„Des einen Kosten sind die Erträge des anderen“

Unter dem Titel „Unternehmerische Chancen der Energiewende: Energieeffizienz und alternative Energien als Herausforderung für Kreativität und neue Geschäftsmodelle“ ermunterte Töpfer die Teilnehmer, die Aufgaben der Energiewende als unternehmerische Herausforderung zu verstehen. Sie böten Chancen, die jetzt genutzt werden müssten. Es gelte der alte Satz: „Des einen Kosten sind die Erträge des anderen.“

Ein Blick in die Vergangenheit zeige, dass sich Deutschland spätestens seit dem GAU im Atomkraftwerk Tschernobyl Mitte der 1980er-Jahre intensiv mit ressourcenschonender und umweltfreundlicher Energiegewinnung auseinandersetze. Strenge Vorschriften etwa zur Entschwefelung von Rauchgas haben nicht nur die Entwicklung von Umwelttechnologien forciert und die Luftqualität verbessert, sondern auch zu neuen Verfahren bei der Gewinnung von Materialien geführt: Mit dem aus der Luft gefilterten Schwefel wird nunmehr ungefährlicher Baugips produziert. Gerade durch solche Vorgaben sei Deutschland in vielen Umweltbereichen zum Weltmarktführer aufgestiegen.

Energiecontracting als Finanzierungsmittel

Ein wichtiges Element, um die Energiewende zu finanzieren und voranzutreiben, sei aus seiner Sicht auch Energiecontracting. Klaus Töpfer warb gegenüber den Vertretern der Beteiligungsbranche, dafür revolvierende Fonds zur Verfügung zu stellen. Ziel sei es, den Partnern moderne, energieeffiziente Geräte, zum Beispiel Heizanlagen, zur Verfügung zu stellen. Finanziert werde dies durch die Energieeinsparung: Der Vertragsnehmer würde einen Großteil der eingesparten Energiekosten an den Fonds zurückgeben. Alle würden bei diesem Modell profitieren. Klaus Töpfer betonte zum Abschluss noch einmal die unternehmerischen Chancen. „Die Energiewende können sie nicht Bürokraten überlassen. Die müssen Unternehmer machen.“

Dr. Jörg Riesmeier von Direvo IBT im Gespräch mit Moderatorin Katja Dofel. Dr. Jörg Riesmeier von Direvo IBT im Gespräch mit Moderatorin Katja Dofel.

Interviews auf dem Podium

Den Faden griffen Unternehmer wie Volker Jung von der Victorgroup, Dr. Jörg Riesmeier von Direvo IBT und Dr. Thomas Goette von GreenPocket auf, die im Interview auf dem Podium bereitwillig Einblicke in die Finanzierung von Innovationen und Ressourceneffizienz gaben. Oder Investoren wie Christopher Hoffmann von Zouk Capital LLP, Dr. Michael Brandkamp vom High-Tech Gründerfonds Management oder Dr. Peter Güllmann von der NRW.BANK, die ihre Strategien für Investitionen in nachhaltige Energie und Ressourceneffizienz vorstellten.

Die 6. Private Equity Konferenz vernetzte abermals Gründer mit Risikokapitalgebern. 15 junge Unternehmer nutzten die Chance, ihre Geschäftsidee an Infoständen vorzustellen und mit Investoren ins Gespräch zu kommen. Darunter fanden sich Konzepte, die sich um nachhaltige Energieerzeugung und Energieeinsparungen drehen. Interessiert an Beteiligungskapital ist zum Beispiel das Unternehmen Enbreeze, das kostengünstige Kleinwindanlagen für windschwache Standorte auf den Markt bringt. Das Interesse von Investoren weckte auch der Anlagenbauer Nemos, der in Offshorewindparks neben dem Wind die Meereswellen zur Erzeugung von Energie nutzen will. Unterstützer sucht auch die Firma VerySol, die unter anderem innovative Solarbeleuchtungen für Straßen und Parks entwickelt.

Am Ende der Veranstaltung rief Peter Güllmann  zu Zuversicht auf und spannte so den Bogen zu NRW.BANK-Vorstand Dietrich Suhlrie, der in seiner Begrüßungsansprache versicherte: „Mit unseren Förder- und Finanzierungsinstrumenten wollen wir die Energiewende in Nordrhein-Westfalen voranbringen. Dabei spielt Beteiligungskapital eine wichtige Rolle.“

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