Seine Geschäftsidee fußt auf einem chemisch-physikalischen Verfahren, das die wertvollen Rohstoffe von den beschichteten Glasmodulen der Photovoltaik-Module abtrennt, indem es sie sozusagen herauswäscht. Vorteil dieser Methode ist die Flexibilität. Saperatec ist in der Lage, sich mit der Zusammensetzung des Waschmediums ganz auf die vom Hersteller verwendeten Rohstoffe einzustellen. So ist die Technologie universell einsetzbar. Gewonnen wird ein Materialmix seltener Rohstoffe sowie hochwertiges, sauberes Glas. Beides gelangt zurück in den Rohstoffkreislauf. Das nutzen bereits Hersteller aus dem ganzen Bundesgebiet, die ihre Produktionsabfälle bei der saperatec GmbH entsorgen lassen.
Geschäftsführer Sebastian Kernbaum hält am Ende des Prozesses wertvolle Rohstoffe in der Hand, die wieder verwendet werden können.
Spüli statt scharfer Reiniger
Eine Geschäftsidee, die auch den Gründerfonds Bielefeld-Ostwestfalen, ein Seed Fonds, an dem die NRW.BANK beteiligt ist, überzeugt hat. Peter Hillebrandt von der NRW.BANK erläutert das Konzept dahinter: „Der Gründerfonds Bielefeld-Ostwestfalen ist einer von sieben Seed Fonds, die die NRW.BANK gemeinsam mit lokalen Partnern im Rahmen ihrer Seed Fonds-Initiative finanziert, um Gründern das notwendige Eigenkapital zur Verfügung zu stellen.“ Innerhalb der Laufzeit des Fonds müssen die Seed Fonds-Anteile möglichst mit Gewinn wieder veräußert werden – so entsteht eine win-win-Situation für alle Beteiligten.
Das saperatec-Verfahren ist kostengünstig und umweltschonend. Es wird bei Raumtemperatur gearbeitet, daher ist keine zusätzliche Energie notwendig. Außerdem sind die verwendeten Chemikalien unbedenklich. „Man muss es sich so vorstellen, als wenn wir zum ,Putzen’ keine scharfen Reiniger verwenden, sondern Spülmittel“, erklärt Sebastian Kernbaum das Prinzip hinter seiner Methode.
Mehrfach ausgezeichnet
Aufgrund dieser innovativen und ressourcenschonenden Methode wurde saperatec Ende vergangenen Jahres vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie der „Deutsche Rohstoffeffizienz-Preis 2011“ verliehen. In der Begründung heißt es: „Der Preis zeichnet herausragende Unternehmensbeispiele für rohstoff- und materialeffiziente Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen sowie anwendungsorientierte Forschungsergebnisse aus.“ Im Februar 2012 folgte der „Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft“, verliehen von Guenther Oettinger, EU-Kommissar für Energie.
Saperatec wurde Anfang 2011 durch den Gründerfonds Bielefeld-Ostwestfalen finanziell unterstützt und hat sich mittlerweile schon so weit etabliert, dass über eine Erweiterung des Standorts nachgedacht wird. „Es wäre schon schön, wenn wir diese Methode auch in einer anderen Größenordnung einsetzen könnten.“ Die plant Sebastian Kernbaum: „In einer Anlage, die bis zu 2.000 Tonnen Material jährlich behandelt und entsorgt, wären zusätzliche Prozessschritte notwendig, zum Beispiel Zerkleinern oder Sortieren.“ Dafür müssten allerdings langfristige Verträge mit Herstellern geschlossen werden, um ein Auftragsvolumen für die folgenden Jahre zu gewährleisten. Das würde den Standort durch zusätzliche Mitarbeiter stärken. Eine Investition, die sich auch langfristig für die Zukunft rechnen soll. Denn irgendwann müssen selbst die langlebigsten Kollektoren entsorgt werden – und auch diese Module beinhalten wertvolle Rohstoffe, die von der saperatec GmbH wiedergewonnen werden. Eine Aufgabe, auf die sie sich schon heute vorbereitet.

