Einsparpotenzial - Energieeffizienz in Großbäckerei „Ihr Bäcker Schüren“ in Hilden gesteigert
Wolfram Peschko (l.) von La Therm
Siegel: Energieeffizienz lohnt sich

Gründung

//Planbares Wärmebudget dank Abwärme auf Rädern

Das Metallplättchen geknickt und schon kristallisiert die Flüssigkeit unter Freigabe von Hitze. Dieses Prinzip eines Taschenwärmers hat LaTherm auf Wärmecontainer übertragen. Damit ist es dem Dortmunder Start-up weltweit erstmals gelungen, eine Lösung zur Nutzung von industrieller Abwärme zu entwickeln. Die NRW.BANK unterstützt als Mitgesellschafter der SeedCapital Dortmund GmbH & Co.KG das Wachstum von LaTherm.

Wärme gibt es zuhauf. Auf jährlich 25 Milliarden Euro wird in Deutschland der Marktwert für ungenutzte Abwärme geschätzt. Sie fällt bei der Verstromung von Kohle und Gas sowie bei der Industrieproduktion an. In Ballungsräumen geben viele Kraftwerke mittlerweile einen Teil der Wärme über Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in Fernwärmeleitungen ab. Die Hausanschlüsse an die Wärmenetze werden über das Programm progres.nrw bezuschusst und von der KfW gefördert.

Mit LaTherm findet Abwärme einen alternativen Weg zum Abnehmer: Sie wird einfach auf Rädern transportiert. Die patentierten Wärmecontainer des Unternehmens sind mit dem Salz Natriumacetat gefüllt. Beim Erzeuger läuft die Abwärme als heißes Wasser durch die Containerleitungen. Das Salz verflüssigt sich und speichert dabei die Wärme. Mit dem LKW wird der Container zum Abnehmer transportiert, wo sich das Salz wieder in feste Kristalle verwandelt und dabei die gespeicherte Wärme an das Wasser in den Rohren abgibt. Damit können auch Abnehmer beliefert werden, die nicht an Nah- und Fernwärmenetze angeschlossen sind.

„Das Prinzip entspricht dem eines Taschenwärmers“, erklärt Dr. Wolfram Peschko, Physiker und Mitglied der Geschäftsleitung von LaTherm. Nur dass die in einem Container gespeicherte Wärmemenge mit 2,5 Megawattstunden so groß ist, dass sie beispielsweise für Heizung und Warmwasser eines Einfamilienhauses für den Zeitraum eines Vierteljahres ausreicht.

Der Wärmecontainer wird in das bestehende Heizungssystem über einen Wärmetauscher angedockt. Der Wärmecontainer wird in das bestehende Heizungssystem über einen Wärmetauscher angedockt.

Einstieg in ein neues Geschäft

Interessant ist das System aber vor allem für Großabnehmer. Der Einsatz lohnt sich in Schwimmbädern, Krankenhäusern und Schulen, aber auch in Verwaltungsgebäuden, Logistikzentren oder Montagehallen. Ganze Hochhäuser, Wohnblocks und Siedlungen können erwärmt werden. Angedockt wird der Wärmecontainer in das bestehende Heizungssystem über einen Wärmetauscher. „Wir liefern die Grundlast, so dass der Brenner nur selten anspringt“, sagt Wolfram Peschko. Der Kunde merkt die Wärmelieferung nur durch eine wesentlich geringere Gas- oder Ölrechnung. Ein Container spart beispielsweise pro Jahr bis zu 25.000 Liter Heizöl. Der Spareffekt ist langfristig: LaTherm kann seinen Kunden über Jahre planbare, von fossilen Brennstoffen abgekoppelte Preise anbieten. „Der Kunde hat zum ersten Mal ein planbares Wärmebudget“, betont Wolfram Peschko. Die Laufzeit der Verträge beträgt zehn Jahre.

„Wir steigen in ein völlig neues Geschäft ein“, erinnert Wolfram Peschko an die Herausforderungen eines Start-ups. „Noch ist es schwer, Verbrauchern zu vermitteln, dass sie auch reine Wärme ohne Brennstoff einkaufen können“. Doch die Nachfrage steigt. Anfang 2012 sind bereits acht Container im Ruhrgebiet unterwegs. Sie pendeln zum Beispiel zwischen einer Deponiegasanlage und einem Schwimmbad sowie zwischen einer Kokerei und einem Logistikunternehmen. Drei Jahre später sollen es schon knapp 200 Container im ganzen Bundesgebiet sein.

Mit zwei Containern lassen sich 150 Tonnen CO2 einsparen. Mit zwei Containern lassen sich 150 Tonnen CO₂ einsparen.

NRW.BANK unterstützt Wachstum

„Es ist ein regionales System“, sagt Wolfram Peschko. Die Quelle und die „Senke“, wie der Zielort der Abwärme genannt wird, sollten so nah beieinander liegen, dass der Transportaufwand in einem vernünftigen Verhältnis zur Energieeinsparung steht. Deshalb sieht das Geschäftskonzept von LaTherm neben dem Eigenbetrieb von Wärmedienstleistungen zwei weitere Ertragssäulen vor: den Verkauf von Wärmecontainersystemen sowie die Logistikunterstützung für Wärmecontainer.

Wolfram Peschko erwartet, dass der Handel mit CO2-Zertifikaten in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnt. Und da punktet das Dortmunder Unternehmen: „Mit zwei Containern lassen sich 150 Tonnen CO2 einsparen.“ Betreiber etwa von Müllheizkraftwerken oder Kokereien, die ein Konzept für ihre Abwärme vorlegen müssen, können mit Hilfe der LaTherm-Container ohne großen Aufwand selbst als Wärmedienstleister auftreten. LaTherm bietet dabei als zusätzliches Angebot an, die aktuellen, digital erfassten Betriebsdaten eines jeden einzelnen Containers bereitzustellen. „So weiß der Kunde, wie viel Wärme noch im Container steckt“, sagt Wolfram Peschko.

Die NRW.BANK unterstützt als Mitgesellschafter der SeedCapital Dortmund GmbH & Co. KG das Wachstum von LaTherm. Prokurist Steffen Gruber erläutert: „Uns hat das revolutionäre Konzept überzeugt, welches die flexible Nutzung des enormen Potenzials von Abwärme ermöglicht, die derzeit meist noch in kostenintensiven und technologisch aufwändigen Kühlprozessen abgeführt werden muss. Auch vor dem Hintergrund der mit der Förderung von alternativen Energien verfolgten Ziele der CO2-Reduktion und der Schonung fossiler Energieträger, kann die Nutzung von Abwärme einen hohen ökologischen Beitrag leisten.“

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