Roland Schüren braucht für seinen Betrieb viel Wärme, aber auch Kälte - das war die Herausforderung für ein neues Energiekonzept.
Der Familienbetrieb wird mittlerweile von Roland Schüren in der vierten Generation geleitet. Innovativ ging es dort schon immer zu. Vater Reiner Schüren holte bereits im Jahr 1979 Vollkornbrote aus dem Ofen, als noch kaum jemand an Bio-Zertifikate, Ökologie und Nachhaltigkeit dachte. Die Idee zum Vollwertprogramm hatte Christel Schüren. „Damals stand der Gesundheitsaspekt im Vordergrund“, berichtet Roland Schüren über die Beweggründe der Mutter. Sein Energiekonzept ist der Zeit wieder voraus. Rund 1,2 Millionen Euro investierte Roland Schüren mit Unterstützung der NRW.BANK in seine Backstube. Die Mittel stammen aus dem ERP-Umwelt- und Energieeffizienzprogramm der KfW. Der Erfolg ist beachtlich: Bezogen auf die gleiche Backmenge, verringerten sich der CO2-Ausstoß um 91 Prozent und die benötigte Energiemenge um die Hälfte. Stephan Kunz, Förderberater der NRW.BANK, betont: „Das Unternehmen hat damit mühelos die 20-Prozent-Hürde des Programms in Sachen Energieeffizienzsteigerung übersprungen.“
Energieberater krempelte Betrieb um
Roland Schüren hat aus der Not eine Tugend gemacht. Vor drei Jahren stieß die Bäckerei, die in 16 Filialen Kunden mit frischen Backwaren versorgt, an die Kapazitätsgrenze ihrer Kühlanlagen. „Wir brauchten eine höhere Leistung. Doch dafür hätte der Energieversorger weitere Anschlüsse auf unsere Kosten verlegen müssen.“ Statt neuer Stromkabel holte sich Roland Schüren einen Energieberater ins Haus und der krempelte den Betrieb um: Für Kälte sorgt nun ein Wasserkreislauf, der auch die Erdkühle über zehn gebohrte Sonden nutzt. Die extrem effiziente Kühlanlage spart im Vergleich zu vorher 60 Prozent Energie – und das bei einer Verdopplung der Kühlfläche. Hinein spielt die optimale Wärmerückgewinnung zwischen Ofen- und Kältebereich. Der Strom kommt zum Teil von der Sonne über eine Photovoltaikanlage.
Heizen mit Pellets und Altbrot
Statt mit Gas werden die Öfen nun mit Biomasse beheizt. Die besteht zu 70 Prozent aus Holzpellets und zu 30 Prozent aus unverkauftem Altbrot. „An erster Stelle steht die Ernährung des Menschen. Wir führen nur das Altbrot dem Energiekreislauf wieder zu, das weder von Tafeln für Bedürftige abgeholt wurde noch zu Paniermehl verarbeitet werden konnte“, erklärt Roland Schüren. Darüber hinaus wird in allen neuen Filialen die Ofenabwärme mit einer Luft-Wärmepumpe zur Heißwasserzubereitung genutzt, zuweilen auch für die Heizung.
Kurze Transportwege
Auch in Sachen Logistik setzt „Ihr Bäcker Schüren“ auf Nachhaltigkeit. Seit Ende der 1980er-Jahre stammt das Getreide für das Bio-Backprogramm nahezu ausschließlich von Feldern der Region. Das stellt kurze Transportwege sicher und fördert die heimische Landwirtschaft. Darüber hinaus setzt Roland Schüren bei seinen Auslieferungsfahrzeugen auf klimafreundlichen Erdgasantrieb. Die Erdgasmotoren stoßen deutlich weniger CO2 aus als vergleichbare Dieselmotoren. Angetan ist der Inhaber zudem von Elektrofahrzeugen. An der betriebseigenen Ladesäule tanken bereits ein Lieferwagen und ein Firmenwagen Strom. Doch die umweltfreundlichsten und kostengünstigsten Transporte sind die, die erst gar nicht stattfinden. Roland Schüren: „Durch eine umsichtige und ausgeklügelte Warenlogistik sparen wir uns viele Wege ganz.“
Energiekonzept ist preisgekrönt
Für das Energiekonzept erhielt „Ihr Bäcker Schüren" den ersten Platz in der Kategorie „Technik/Prozess“ beim internationalen Nachhaltigkeitspreis ECOCARE-Award 2010. Doch darauf ruht sich Roland Schüren nicht aus: „Wir haben das Ziel, die erste Bäckerei in Deutschland zu sein, die sich mit CO2-neutraler Energie aus eigener Kraft versorgt.“

