Glücksgriff – der Name für Susanne Arndts Modegeschäft ist Programm: „Schließlich ist doch jeder erfolgreiche Einkauf ein Glücksgriff, und das nicht nur für meine Kundinnen, sondern auch für mich“, schmunzelt die Inhaberin. Ein Glück, das auf sich warten ließ. Denn mit der Insolvenz ihres alten Arbeitgebers war die damals 43-jährige Mutter plötzlich arbeitslos. „Da half auch keine jahrzehntelange Erfahrung im Textileinzelhandel, ich fand in meinem Alter einfach keinen angemessenen Job – erst recht nicht mit Kind, wenn man nicht mehr so flexibel ist“, blickt sie zurück. „Also habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und einen eigenen Laden geplant.“
Im Modegeschäft Glücksgriff finden sich die angesagten Modemarken für junge Mädchen und Frauen.
Konzept, Know-how und Standort stimmten
Schnell sicherte sie sich aus der Insolvenzmasse des Vorgängers das Mobiliar, verhandelte mit dem Vermieter und ging mit fertigem Konzept in der Tasche zu ihrer Bank. Doch der Textileinzelhandel ist eine Branche, die nicht gerade innovativ und schon gar nicht krisenunabhängig ist. „Mehr noch, die Branche ist hochgradig risikobehaftet. Da blocken die Banken bei der Finanzierung sofort ab“, musste Susanne Arndt erfahren. Auch ihre Branchenerfahrung half nichts. „Dabei brauchte ich lediglich für den Grundstock an Waren Geld, alles andere war ja schon geklärt.“
NRW/EU.Mikrodarlehen als Rettung
Die entscheidende Idee kam ihr beim Recherchieren im Netz. „Ich stieß auf die Möglichkeit, ein Mikrodarlehen von der NRW.BANK zu erhalten. Also habe ich im September 2009 einen Antrag bei der IHK gestellt“, erinnert sich die Existenzgründerin. Die Zusage für den Kredit erhielt sie im Januar und die Auszahlung erfolgte im Februar. „Da war es fast schon zu spät, die aktuellen Kollektionen für Frühling und Sommer zu ordern. Zum Glück konnte ich auf meine guten Kontakte in der Branche zurückgreifen, sodass ich noch eine gute Auswahl zusammenstellen konnte.“
Spielwiese für die Kleinen im Glücksgriff.
Wichtig: ein gutes Konzept
Susanne Arndt wusste schnell, wie ihr Laden aussehen sollte: „In jedem Fall anders als die ewig gleichen Ladenketten und Stores der großen Labels, die es in jeder City gibt.“ Natürlich findet man auch bei ihr die angesagten Modemarken für junge Mädchen und Frauen. „Darüber hinaus setzen wir auf individuelle Beratung. Darin und in der Zusammenstellung des Sortiments unterscheiden wir uns maßgeblich von anderen. Zumal in einer kleineren Stadt wie Menden. Da tut die 1b-Lage in der City keinen Abbruch. Schließlich kannten viele Kunden den Standort schon von früher, als mein alter Arbeitgeber hier noch einen Modeladen hatte.“ Ihr Glück, denn so konnte sie einen Teil der alten Stammkundschaft mitnehmen. „Allerdings lag zwischen Schließung des alten Geschäfts und Neueröffnung meines Ladens über ein Jahr, da waren einige schon abgewandert“, musste sie feststellen. Doch es kamen auch viele neue Kundinnen. Das individuelle Ambiente kommt ebenso gut an wie die Ruhezone mit Fernseher für die Männer der shoppenden Damen und die Kinderspielecke: „Die ist natürlich eine Erleichterung für die Kundinnen, die gerne vormittags nach dem normalen Einkauf einfach mal reinkommen – dann eben auch mit Kind dabei – und in Ruhe bei uns stöbern wollen“, weiß Susanne Arndt. „Aber es kommen gerne auch Mütter mit ihren Teenager-Töchtern. Dann suchen sich beide etwas Passendes raus.“
Zum zeitgemäßen Konzept für junge Frauen gehört natürlich auch die eigene Homepage und eine eigene Facebook-Seite, auf der die Kunden über die neuesten Kollektionen, Gutschein-Gewinnspiele oder Veranstaltungen wie Late-Night-Shopping informiert werden.
Ihr Fazit: „Es läuft gut, auch wenn 2011 für die Textilbranche ein schwieriges Jahr war. In jedem Fall habe ich es nicht bereut.“ Heute beschäftigt Susanne Arndt eine Festangestellte – eine ehemalige Kollegin, die sie so auch aus der Arbeitslosigkeit gerettet hat – und dazu drei Aushilfen.
