„Gerade junge Unternehmen mit einem chancenreichen technologischen Kern haben – branchenunabhängig – oft keine banküblichen Sicherheiten und kein marktreifes Produkt“, erklärt Dr. Claas Heise. Er ist bei der NRW.BANK für Venture Capital-Investments verantwortlich – und damit auch für das Engagement des NRW.BANK.Seed Fonds, der ausschließlich in die derzeit sieben regionalen Seed Fonds investiert hat, an denen sich außerdem Sparkassen und Privatinvestoren beteiligt haben. „Mit den 30 Millionen Euro aus unserem Fonds aktivieren wir insgesamt 75 Millionen Euro, die in Hightechunternehmen investiert werden“, berichtet Claas Heise. Das Ziel: „Technologie und Innovation zu fördern – und gleichzeitig den Strukturwandel zu unterstützen.“
Junge Unternehmen anschieben
„Nach den Sternen greifen, aber trotzdem auf dem Boden bleiben, genau darum geht es bei einer Unternehmensgründung“, ist Ernst G. Mayer überzeugt. Er ist Geschäftsführer der Sirius Venture Partners und Fondsmanager des Sirius Seed Fonds Düsseldorf. Seine Leidenschaft: jungen Unternehmen in die Erfolgsspur helfen. Sirius ist einer von sieben regionalen Seed Fonds in Nordrhein-Westfalen, an denen sich die NRW.BANK beteiligt hat und die Anteile an sehr jungen innovationsstarken Hightechunternehmen erwerben, inzwischen an über 60 Unternehmen. Darunter sind auch viele Biotechnologie- oder Medizintechnikunternehmen.
„Wir sind direkt in die Unternehmen eingebunden“, berichtet Ernst Mayer. „Wir beteiligen uns an Strategiesitzungen genauso wie wir bei der Suche nach neuen Köpfen für ein Team helfen. Oder wir machen Mediationen, wenn es Stress im Team gibt. Aber die Gründer müssen unsere Präsenz schon aktiv einfordern.“ Genau das zeichnet die Seed Fonds aus: „Wir haben uns für eine regionale Struktur der Seed Fonds entschieden“, erklärt Claas Heise, „weil dann die Fonds räumlich näher an den Gründerteams dran sind. So junge Unternehmen wachsen und häuten sich schnell. Damit muss man umgehen können. Das ist sehr anspruchsvoll.“
Dass die Ergebnisse der Produktentwicklung und ihr Potenzial am Markt nicht genau einschätzbar sind, erhöht das Risiko der Seed Fonds. „Da darf man sich keine Illusionen machen: 50 Prozent der Projekte gehen daneben“, berichtet Ernst Mayer. Doch scheitern die Unternehmen seltener an einer nicht realisierbaren Technologie: „Andere Probleme sind häufiger der Grund. Es kommt vor, dass Teams auseinanderbrechen, weil untereinander Neid aufkommt, dass Managementfehler gemacht werden und nicht rechtzeitig nach Lösungen für Probleme gesucht wird. Und es gibt immer wieder Fälle, in denen die Teams nicht mit einer Seed Fonds-Finanzierung klarkommen.“
„Die Chemie muss stimmen“
„Ein Seed Fonds ist nicht der richtige Weg, wenn man ein Unternehmen aufbauen möchte, welches man keinesfalls verkaufen und in dem man die gesamte unternehmerische Freiheit selbst gestalten möchte“, erklärt Claas Heise, „weil die Inhaber Anteile am Unternehmen abgeben müssen und dafür Investoren Mitspracherechte erhalten.“ Entsprechend schwierig ist es, geeignete Unternehmen für eine Seed Fonds-Finanzierung zu finden. „Die wichtigste Grundvoraussetzung für eine Beteiligung ist, dass es menschlich funktioniert“, stellt Ernst Mayer klar. „Die Chemie muss stimmen.“ Rund werde das Bild, wenn der Gründer eine Idee hat, die auch zu ihm passe. Bis zum Auslaufen des Fonds nach etwa zehn Jahren müssen die Anteile wieder veräußert sein – meist wird das gesamte Unternehmen an ein Großunternehmen verkauft, manchmal werden auch die Anteile des Seed Fonds an das Unternehmen zurückverkauft. Ernst Mayer: „Wir können nur Unternehmen aufnehmen, die in unsere Exit-Strategie passen.“ Die also eine interessante Veräußerungsperspektive nach der üblichen Beteiligungsdauer von rund sieben Jahren bieten – gleich, ob diese Option dann gezogen wird.
Hier die Seedfonds im Überblick:
Zur Internetseite der Sirius Seedfonds GmbH & Co. KG
Zur Internetseite der Seedfonds für die Region Aachen GmbH & Co. KG
Zur Internetseite der Gründerfonds Bielefeld Ostwestfalen GmbH & Co. KG
Zur Internetseite der Seedcapital Dortmund GmbH & Co. KG
Zur Internetseite der Rheinland Venture Capital GmbH & Co. KG




