„Im Moment verbringe ich zwei Drittel meiner Zeit im Büro, mache Buchungen, organisiere Kurse“, erzählt Guido Röcken, „ein Drittel verbringe ich draußen als Kursleiter.“ Während des Studiums der Pädagogik und Psychologie reagierte er auf einen Aushang: Dort wurden Lehrer für Hochseilklettergärten gesucht. Er stieg ein und war begeistert. Als Kletterlehrer musste er viel reisen. In Ostwestfalen-Lippe gab es zu der Zeit noch keine Klettergärten. Genau das begriffen er und Lutz Heinemann als Chance: 2004 gründeten die beiden die Firma „Interakteam“ und errichteten den ersten Kletterpark. Interakteam wuchs rasch. „Hochseilklettern ist Spaß und Nervenkitzel pur. Immer wieder müssen die eigenen Ängste überwunden werden“, erklärt Guido Röcken, „das gönnen sich immer mehr Menschen.“ Inzwischen hat das Unternehmen drei Standbeine: Zum einen drei Hochseilklettergärten für Freizeitkletterer, zum anderen vier Teamparks, in denen es um Gemeinschaftserlebnisse mit pädagogischem Hintergrund geht. Zudem errichtet das Team neue Klettergärten in Auftragsarbeit. „Natürlich nicht hier in unserer Region“, grinst Guido Röcken.
Wachstum durch Wandel
Erfolg hin oder her, jede neue Anlage ist für das Unternehmen ein Kraftakt, der bewältigt werden muss: „Eine größere Anlage erfordert Investitionen von bis zu 250.000 Euro“, erklärt Guido Röcken. Schon für den Teuto-Kletterpark direkt am Hermannsdenkmal hatten sie einen NRW.BANK.Gründungskredit in Anspruch genommen. Anfangs musste er sich erst einmal in die betriebswirtschaftlichen Dinge einfinden: „Da hat dann ein Steuerberater einem Pädagogen mal eine BWA, also die Betriebswirtschaftliche Auswertung, erklärt“, schmunzelt Guido Röcken, „das war für ihn sicher ebenso wie für mich ein spannendes Erlebnis.“
Für die neuen Kletterparks bei Bielefeld brauchten sie 2008 eine weitere Finanzierung: „Die Projektkosten konnten wir nicht komplett aus eigener Tasche finanzieren. Da hat uns die NRW.BANK mit einem NRW.BANK.Mittelstandskredit für die Betriebsmittel ausgeholfen.“ Inzwischen gehören zu Interakteam 89 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 80 von ihnen sind Trainer vor Ort, die ihren Haupteinsatz in der Saison haben, die anderen sind fest angestellt im Büro.
Geht es in den touristischen Kletterparks ums individuelle Klettern, so zielen die Teamparks auf das Training der Zusammenarbeit in Gruppen. „Bei unseren Seminaren stehen Kommunikation, gegenseitiges Vertrauen und Gemeinschaftssinn im Mittelpunkt“, erklärt er. „Hier müssen an den Kletterstationen gemeinsam Strategien für eine Lösung entwickelt werden.“ Ein Beispiel: Die L-Strickleiter. Die Sprossen sind 2 Meter breite Holzbalken, der Abstand der einzelnen Sprossen beträgt gut und gerne 1,40 Meter. Alleine kaum zu schaffen. Gemeinsam schon.
Teamleistung, die zum Ziel führt
„Wir konfrontieren die Teilnehmer mit Situationen, die sie nicht kennen. Alle sind somit auf demselben Wissensstand.“ Schnell kristallisieren sich dabei die gleichen Verhaltensweisen wie im Alltag heraus: Da gibt es entscheidungsfreudige Anführer, nachdenkliche Strategen oder risikofreudige Macher. Dieses Phänomen nutzen Personalverantwortliche, die Teams zusammenschweißen oder neu zusammenstellen sollen. Genauso zählen Mannschaften aus dem Leistungssport oder Schulklassen zu den Kunden. Die Ideen von Guido Röcken gehen indes weit über das Klettern hinaus: „Wir sehen unsere Zukunft nicht nur hoch in den Bäumen, sondern noch in ganz anderen Bereichen der Outdoor-Aktivitäten. Klettern ist im Trend, aber wir wollen uns absichern, damit wir mit unseren Ideen auch noch in zehn Jahren Geld verdienen.“
Wackelige Herausforderung.
Die hängenden Gärten der Kletterer
In Hochseilgärten werden in Höhen von 1 bis 14 Metern Parcours mit bis zu 20 Kletterstationen überwunden. An den einzelnen Stationen müssen die Kletterer sich weiterhangeln, balancieren, rutschen, gleiten und wieder emporsteigen. Es geht über Hängebrücken, Stahlseile, Balken oder Netze. Mehr als 70 Stationen hat ein Park, aufgeteilt auf mehrere Parcours.
