Wer auf den Hof der Pirig Solarenergie fährt, ist zunächst wenig beeindruckt: Eine Montagehalle, ein kleinerer Anbau und schließlich ein zweistöckiges, aluminiumfarbiges Verwaltungs- und Wohngebäude – das ist alles. Doch diese 2009 neu gebaute Immobilie im Gewerbegebiet von Erftstadt-Lechenich hat es in sich. Besser gesagt: an sich. Auf der Südseite bietet sich dem Besucher nämlich ein überraschendes Bild: Über einen Teich mit Schilf und Seerosen führt der Weg zu einer Sonnenterrasse mit Holzboden, dahinter eine rotbraune Fassade mit Streifen aus Photovoltaikmodulen. „Unser Gebäude war das erste Plusenergie-Gewerbehaus in ganz Nordrhein-Westfalen und produziert mehr Strom, als wir selbst verbrauchen“, sagt Geschäftsführer Manfred Pirig stolz.
Knapp zwei Millionen Euro haben er und seine Frau Monika investiert. Neben Eigenkapital konnten die Pirigs Fördermittel der KfW Bankengruppe und aus dem Programm NRW/EU.Investitionskapital in die Finanzierung einbringen. Ein herkömmlicher Neubau hätte nicht einmal die Hälfte gekostet. „Wir wollen aber Vorreiter und Vorbild auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien sein – das Haus ist eine gute Werbung für unsere Firma“, so der 43-Jährige.
Vom Angestellten zum Chef
Vor rund sechs Jahren übernahm der Erftstädter den Betrieb seines Vaters. Zuvor hatte er dem Senior in seiner Freizeit bei der Installation von Photovoltaikanlagen geholfen. „Irgendwann nahm diese Tätigkeit immer mehr Zeit in Anspruch“, erinnert sich Manfred Pirig und hängte kurzerhand seinen Job bei der Feuerwehr nach 20 Jahren an den Nagel. Als Lehrgangsbester bestand er die Prüfung zum Solartechniker – einer damals nahezu unbekannten Fortbildungsvariante. Der erfolgreiche Abschluss ermöglichte ihm den Eintrag in die Handwerksrolle und somit die Anmeldung eines Gewerbes. Damit durfte Manfred Pirig nun ganz offiziell sein Geld mit der Montage und der Wartung von Solaranlagen verdienen.
Ein letzter Schritt blieb ihm allerdings verwehrt: „Um die Anlagen an das Stromnetz anschließen zu dürfen, hätte ich einen Titel als Elektromeister erwerben müssen“, sagt er. Noch einmal die Schulbank zu drücken, dazu fehlte dem Jungunternehmer schlichtweg die Zeit. Schließlich wächst der Umsatz seiner Firma jedes Jahr um mindestens 50 Prozent. Bald stellte er einen Betriebsleiter ein. Seitdem geht es mit seinem Unternehmen steil bergauf: Ob Wohnhäuser, Gewerbeimmobilien, Schulen oder Schwimmbäder – im Sog des gestiegenen Umweltbewusstseins werden immer mehr Dachflächen für die Energiegewinnung genutzt. Der bisher größte Auftrag: Module für 2.400 Quadratmeter am Flughafen Köln/Bonn.
Schön und nützlich zugleich
Als „Mercedes unter den Photovoltaik- Anbietern“ bezeichnet Manfred Pirig sein Unternehmen. Soll heißen: Auch die Ästhetik darf nicht zu kurz kommen. Mit großen Konzernen wie der SCHOTT Solar AG entwirft der Erftstädter deshalb schön anzusehende Anlagenkonzepte, die zum Beispiel am Museum für Antike Schifffahrt in Mainz installiert wurden. Und da „Made in Germany“ weltweit noch immer viel zählt, überrascht es nicht, dass Manfred Pirig inzwischen russische oder türkische Delegationen durch sein neues Plusenergie-Gewerbehaus führt. Sogar nach Shanghai streckt der Zehnmannbetrieb nun seine Fühler aus. „Mein Vater ist richtig stolz darauf, dass aus seiner vermeintlich spleenigen Geschäftsidee nun ein weltweit erfolgreiches Konzept wird“, sagt Manfred Pirig.
Zur Internetseite von Pirig Solarenergie
Zur Internetseite der KfW Bankengruppe
Pirig Solarenergie
PIRIG SOLARENERGIE
Sitz Erftstadt
Gegründet 2005
Mitarbeiter 10
Tätigkeit Entwurf, Fertigung, Montage und Wartung von Photovoltaikanlagen
Zielgruppe Private und gewerbliche Kunden
Dank der öffentlichen Förderung alternativer Stromquellen boomt die Branche, in der Pirig Solarenergie tätig ist. Die Firma expandierte auch ins Ausland – in Europa und Asien.
