Spanien, Italien, Frankreich, Österreich, Schweiz – quer durch Europa war Marina Krüger zehn Jahre lang unterwegs. Die Fahrerkabine war für sie auf den Touren Arbeitsplatz, Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche in einem. In der Männerdomäne, wo manche ein „Duftbäumchen“ als probates Putzmittel ansehen, hatte sie ihre eigenen Vorstellungen von Sauberkeit. Bis zu zehn Müllsäcke musste Marina Krüger manchmal vor Fahrtantritt entsorgen. Beim Fahren hatte sie Zeit zum Überlegen – und immer mehr dachte sie über die Gründung einer eigenen Reinigungsfirma für Fahrzeuge nach. Im Jahr 2009 wagte sie den Schritt.
Die NRW.BANK unterstützte die Existenzgründerin mit einem Mikrodarlehen in Höhe von 25.000 Euro. Sicherheiten brauchte sie nicht zu stellen, dafür aber eine Begleitberatung durch einen Coach nachweisen. In „stundenlangen und sehr lehrreichen Gesprächen“, erinnert sich Marina Krüger, entwickelte sie mit dem Berater einen belastbaren Businessplan. „Mit dem ersten Geld finanzierte ich erstmal einen Transporter“, sagt Marina Krüger.
Das Firmenfahrzeug ist das Aushängeschild: sauber, aufgeräumt, wohlriechend. Bestens sortiert findet sich hier alles, wovor Dreck und Mief in die Knie gehen: vom Lappen bis zum Hochdruckreiniger, vom Besen bis zur Waschmaschine, vom Uni-Reiniger bis zum Polsterschaum. Und dass Marina Krüger mit allem hervorragend umzugehen weiß, beweisen die zahlreichen zufriedenen Kunden. „Ich werde häufig durch Mundpropaganda empfohlen.“
Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln, Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger, Marina Krüger und Dietmar Binkowska, Vorsitzender der NRW.BANK.Exzellentes Beispiel
Ganze Fuhrparks betreut Marina Krüger mit „Inside Truck Clean“ (ITC). Über 20 Stammkunden sind von ihrem Service begeistert. Nach und nach erschließt sich die Unternehmerin weitere Kundenkreise. So fasst sie gerade Fuß in der Reinigung von Sanitäts- und Rettungsfahrzeugen. Zum Waschen und Polieren kommt da die Desinfektion hinzu. Inzwischen wird sie von drei Mitarbeitern unterstützt, die „so arbeiten wie ich: vernünftig und sauber.“
An ihrer Selbstständigkeit schätzt die Existenzgründerin aus Hamm vor allem die Unabhängigkeit. „Ich kann arbeiten, wie und wann ich es für richtig halte“, sagt sie. Dazu gehört, dass sie, wenn viel zu tun ist, den Putzlappen nach acht Stunden nicht in die Ecke wirft. „Ich arbeite von 8 bis 23 Uhr, wenn es sein muss.“
Für Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln, die als Partner der STARTERCENTER NRW die Darlehensnehmer mitbetreut, ist Marina Krüger ein „exzellentes Beispiel“ für das Mikrodarlehen. Dietmar Binkowska, Vorstandsvorsitzender der NRW.BANK, ergänzt, dass der Kleinstkredit in einem Fall wie „Inside Truck Clean“ (ITC) eine Lücke im Bankensystem schließt. Hoher Beratungsbedarf, mangelnde Sicherheiten, niedriges Finanzvolumen, „für eine Hausbank lohnen sich solche Abschlüsse nicht. Wir geben den Existenzgründern Geld an die Hand, was sie sonst nirgendwo bekommen.“ Dass sich das Startkapital sinnvoll und profitabel nutzen lässt, zeigt Marina Krüger täglich.




