Dr. Heiko Manninga ist Forscher aus Leidenschaft. Seit mehr als zwei Jahren tüftelt er nun schon in den Räumen der Bonner Life Science Inkubator GmbH (LSI) an der Verwirklichung seiner Idee: Er will ausgerechnet Viren dazu nutzen, medizinische Wirkstoffe im menschlichen Körper zu transportieren. Aggressive Schädlinge als Heilsbringer? „Wenn es gelingt, können Therapien gegen Krankheiten wie Alzheimer, Multiple Sklerose oder Parkinson gezielter und vor allem mit weniger Nebenwirkungen als bisher eingesetzt werden“, sagt er.
Der Eintritt in einen globalen, mehrere Milliarden Euro schweren Markt lockt. Und damit der Einstieg glatt läuft, verbringt Heiko Manninga einen Großteil seiner Arbeitszeit außerhalb des Labors. Zum Beispiel in seinem Büro, um die Zeit- und Budgetpläne seines Forschungsvorhabens auf Vordermann zu bringen. „Wer bei uns aufgenommen werden möchte, muss unternehmerisch denken können – oder zumindest dazu bereit sein, diese Fähigkeit zu erwerben“, sagt Dr. Jörg Fregien, Geschäftsführer des Bonner Firmen-Brutkastens LSI.
Die NRW.BANK investiert in Projekte, deren Ideen sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befinden.Große Chance für innovative Ideen
Und nicht nur diese Bedingung macht aus dem Inkubator eine bisher einzigartige Institution im deutschsprachigen Raum. „Wir nehmen außerdem nur solche Forschungsteams bei uns auf, deren Technologie noch ganz am Anfang der Entwicklungsphase steht. Zudem sind alle Beteiligten als Mitarbeiter bei LSI angestellt“, so Jörg Fregien, der von Beginn an das Konzept mitgestaltete. Zwei, maximal drei Jahre Zeit dürfen sich die Arbeitsgemeinschaften nehmen – danach müssen sie entweder nach einer Ausgründung als selbständiges Unternehmen am Markt bestehen oder versuchen, mit Hilfe der LSI andere Finanzierungsquellen zu finden.
Platz genug für bis zu fünf Projekte hat der Inkubator – und Bewerbungen gibt es mehr als genug. Das liegt auch am umfassenden Betreuungskonzept. „Wir bauen die Strukturen des künftigen Unternehmens auf“, sagt Jörg Fregien. In der Praxis bedeutet das: Für jedes Projekt wird eine detaillierte Planung aufgestellt, Verantwortungsbereiche werden definiert, Entscheidungsprozesse festgelegt. Finanzierung, Mitarbeiterführung, Vertriebs- und Marketingtechniken – alle betriebswirtschaftlichen Kenntnisse, die im Firmenalltag gefragt sind, werden vermittelt. Bei Bedarf wird das Team durch zusätzliche Mitarbeiter ergänzt.
Solvente Kapitalgeber mit vielfältigen Interessen
Der Kreis der Kapitalgeber ist ein weiterer Punkt, der den Brutkasten so einzigartig macht: In einer Public-Private-Partnership sind öffentliche, private und wissenschaftliche Finanziers an der LSI beteiligt. Größter Geldgeber ist die NRW.BANK. „Mit diesem Engagement wollen wir die Gründung von technologieorientierten Firmen im Life-Science-Sektor vorantreiben“, sagt deren Projektmanager Stefan Büchter. Die Förderbank investiert damit in Projekte, deren Ideen sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befinden – und andernorts meist leer ausgehen.
„Um das Ausfallrisiko zu minimieren, durchläuft jedes Team einen harten Auswahlprozess, bevor es in den Inkubator aufgenommen wird“, so Stefan Büchter. Wer die Prüfung erfolgreich besteht, schöpft aus dem Vollen. Sämtliche Inkubator-Beteiligten stellen nämlich ihr Wissen und ihre Netzwerke in den Dienst der künftigen Start-ups. „Beim abschließenden Spin-off steht mit dem Seed-Fonds der NRW.BANK sogar das Potenzial für eine Anschlussfinanzierung zur Verfügung“, sagt Stefan Büchter.
Zur Internetseite der Life Science Inkubator GmbH
Ein Virus als Heilsbringer? Bei der LSI bekommt auch diese Idee eine Chance.
Life Science Inkubator GmbH (LSI)
Sitz: Bonn
Gegründet: 2009
Mitarbeiter: ca. 30
Tätigkeit: Betreuung und Weiterentwicklung von Forschungsteams
Zielgruppe: Forschungsprojekte aus dem Bereich Life-Science, die zu einem tragfähigen Geschäftskonzept weiterentwickelt werden können
Der Bonner Brutkasten für innovative Start-ups arbeitet nach einem bisher einzigartigen Konzept: In einer Public-Private-Partnership wird er vom Bund, dem Land Nordrhein-Westfalen, der Sparkasse Köln/Bonn, einem privaten Investor und der NRW.BANK getragen. Ebenfalls einmalig: Die drei größten deutschen Forschungsgesellschaften – Fraunhofer, Max-Planck-Gesellschaft und Helmholtz-Gemeinschaft – sind gleichzeitig beteiligt.



