Rainer Schleiting und Peter Krebs, geschäftsführende Gesellschafter der EGF

Gründung

//Nachfolge: Mitarbeiter übernahmen Essener Geldschrankfabrik

Ziemlich robust geht es in der kleinen Fabrikhalle der Essener Geldschrankfabrik (EGF) zur Sache: Massive Stahlplatten türmen sich auf, Funken sprühen, es wird geschweißt, gebohrt, gehämmert und Beton gegossen.

Die mannshohen Tresore, die hier entstehen, wiegen an die zwei Tonnen. Seit 2005 sind Rainer Schleiting und Peter Krebs die geschäftsführenden Gesellschafter der EGF. Doch das Metier der EGF sind nicht nur Tresore: In Essen entstehen komplette Schließfachräume für Banken einschließlich der massiven Panzertüren und der Software zur Verwaltung der Fächer genauso wie Briefkastenanlagen, Einwurfsysteme für Banknoten und gesicherte Betäubungsmittelräume, wie sie Pharmagroßhändler benötigen. Wichtiges Standbein sind zudem feuersichere Schränke zur Dokumentenaufbewahrung.

Gründung: Mitarbeiter der Essener Geldschrankfabrik bei Schweißarbeiten Zertifizierte Produktion in der Essener Geldschrankfabrik.

Existenzsicherung durch Übernahme und NRW/EU.Investitionskapital

Vor rund fünf Jahren suchte der damalige Besitzer der EGF einen Käufer für das Unternehmen. „Der letzte, der noch im Rennen war, wollte Geld investieren, sich aber nicht im Unternehmen engagieren. Dann wird man schnell zum Spielball und weiterverkauft“, ist Rainer Schleiting überzeugt. „Das hätte unsere Existenz in Gefahr bringen können.“ Er hatte damals zusammen mit Peter Krebs die Vertriebsleitung inne. Damit waren sie mit allen Geschäftsvorgängen bestens vertraut, kannten das Potenzial der Firma. Gemeinsam entschieden sie, das Unternehmen selbst zu übernehmen. Mittels eines Nachrangdarlehens der NRW.BANK stand schnell die Finanzierung des Management-Buy-outs. „Das Produkt, mit dem die EGF-Übernahme 2005 finanziert wurde, wird heute unter dem Namen NRW/EU.Investitionskapital angeboten“, erklärt Birgit Cremers, Teamleiterin Nachrangdarlehen bei der NRW.BANK. „Der Vorteil einer solchen Finanzierung ist, dass vom Unternehmen keine Sicherheiten gestellt werden müssen. Land und EU übernehmen das Risiko aus dieser Finanzierung. Die Unternehmen müssen jedoch mit ihren Zahlen überzeugen und sehr gute Perspektiven nachweisen können.“

Gründung: Drei Tresore der EGF nebeneinander Rund 1.000 Tresore baut die EGF jährlich.

Boom bei Privatkunden

Ein sattes Nachfrageplus verzeichnete die EGF im Krisenjahr 2008 im Bereich der Safes für Privathaushalte. Die Anfragen stiegen um gut 40 Prozent. „Offenbar haben viele mit ihren Anlagen schlechte Erfahrungen gemacht“, vermutet Rainer Schleiting. Und damit das nervenaufreibende Mitfiebern mit den Börsenkursen ein Ende hat, parken nun viele ihr Vermögen lieber im Tresor. Rund 1.000 Tresore unterschiedlicher Sicherheitsklassen baut die EGF jedes Jahr. Darunter immer wieder Sonderanfertigungen für Privatkunden. „Wir haben auch schon Tresore für besonders teure Bordeaux-Weine gebaut“, berichtet Rainer Schleiting. Klimaanlage inklusive. Kein Wunsch blieb bisher unerfüllt. „Je wertvoller der Inhalt, desto höher der von der Versicherung geforderte Sicherheitsstandard“, erklärt Rainer Schleiting. Überall auf der Welt stehen inzwischen Geldschränke aus Essen – in China genauso wie in Indien, Russland oder Marokko.

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