Existenzgründerinnen: Frauen erfolgreich selbstständig
Dr. Maike Rüsing eröffnete 2009 die kieferorthopädische Praxis „orthograd“.

Gründung

//Gründerinnen: Lieber eine Nummer größer starten

Erfolgreiche Gründerinnen sitzen Konflikte nicht aus, kommunizieren ihre Ziele und sind kritikfähig. Trotzdem sind Frauen im Gründungsgeschehen unterrepräsentiert.

Laut KfW-Gründungsmonitor haben sich 2011 rund 347.000 Frauen für einen Eintritt in die Selbstständigkeit entschieden, das sind 42 Prozent aller Gründenden. Frauen gründen aber nicht nur weniger, sondern im Durchschnitt auch kleiner. Die Gründungsgröße bezieht sich dabei auf den Gründungsumfang, die gewählte Branche, die Beschäftigtenzahl und den Finanzierungseinsatz. Diese Faktoren bedingen sich gegenseitig und sind letztlich auch für den Gründungserfolg maßgeblich.

Frauen gründen häufiger im Nebenerwerb

Fast 58 Prozent  der Gründerinnen beginnen ihre Selbstständigkeit nebenberuflich, während sich männliche Gründer je zur Hälfte auf Voll- und Nebenerwerb verteilen. Der Grund: Mit Gründungen im Nebenerwerb können Frauen, Familie und Berufstätigkeit vereinen. Aber diese Art von Existenzgründung kommt auch der Mentalität der Frauen entgegen, die gern mit weniger Risiko starten. Mit kleineren Projekten können sie den Markt austesten, bevor sie ihr Geschäft im Erfolgsfall auf den Vollerwerb ausweiten. „Die Forschung zeigt, dass es zwar Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, wenn es um die Selbständigkeit geht. Aber die Unterschiede sollte man nicht überbewerten“, so Dr. Rosemarie Kay vom Institut für Mittelstandsforschung Bonn. Sie beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Frauen im Gründungsgeschehen. „Denn es gibt mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede. Was aber belegt ist: Frauen sind vorsichtiger, risikoaverser. Sie neigen stärker zu Befürchtungen, Fehler zu machen und überlegen eher zwei Mal. Aber im Gegensatz zu Männern neigen Frauen weniger zur Selbstüberschätzung.“

Dr. Rosemarie Kay vom Institut für Mittelstandsforschung. Dr. Rosemarie Kay vom Institut für Mittelstandsforschung.

Frauen starten häufiger in Dienstleistungsbranchen

Auch bei der Branchenwahl zeigen sich zwischen Gründerinnen und Gründern Unterschiede: Frauen gründen am häufigsten im Bereich der persönlichen Dienstleistungen, während Männer ihre Projekte meist im Bereich der wirtschaftlichen Dienstleistungen ansiedeln. Besonders niedrige Frauenanteile finden sich bei Existenzgründungen im Verarbeitenden Gewerbe und in der Baubranche.

Dr. Rosemarie Kay weiß: „Frauen machen sich wie Männer auch vor allem in Branchen selbstständig, die ihnen einen möglichst leichten Zugang versprechen. Dies sind Branchen, in denen sie bereits berufliche Erfahrungen gesammelt haben. Infolgedessen findet man selbstständige Frauen häufig in den Branchen, in denen sie auch als abhängig Beschäftigte häufig tätig sind. Die Gründe für das Berufswahlverhalten von Frauen sind vielfältig. Klar ist auch, dass sich dieses tradierte Verhalten nur mittel- bis langfristig verändert.“

Weniger Teampartner, weniger Mitarbeiter

Gründerinnen wie Gründer starten überwiegend ohne mitgründende Partner und ohne Mitarbeiter. Im Vergleich zu Männern ist das Muster bei Frauen nochmals ausgeprägter. Sie starten sowohl häufiger solo in die Selbstständigkeit als auch häufiger ohne Mitarbeiter; und wenn sie Mitarbeiter beschäftigen, dann auch im Durchschnitt weniger.

Dass Frauen häufiger allein und ohne Mitarbeiter starten, dürfte unter anderem an ihrer höheren Risikoaversion liegen. Die Beschäftigung von Mitarbeitern verlangt eine hinreichende finanzielle Performance des Projekts. Wenn Frauen weniger optimistisch im Hinblick auf die künftige Entwicklung ihres Geschäftsumfelds und den Gründungserfolg sind, werden sie eher von vornherein auf Einstellungen verzichten.

Geringerer Finanzierungseinsatz

Die meisten Gründungsprojekte kommen mit einem geringen Mittelbedarf aus. „Doch Gründerinnen haben für die Umsetzung ihres Vorhabens häufig einen deutlich geringeren Kapitalbedarf als männliche Gründer“, erklärt Simon Sdahl, Leiter Förderberatung Rheinland aus dem Bereich Förderprogrammgeschäft der NRW.BANK. 15 Prozent aller Gründerinnen weisen überhaupt keinen Sach- oder Finanzmittelbedarf auf.

Weniger Bescheidenheit, größerer Mut

Dr. Rosemarie Kay appelliert an die Frauen, eine Nummer größer anzufangen, aus den typischen Frauenbereichen herauszutreten und weniger Kleinstgründungen anzugehen. „Das ist eher kontraproduktiv. Frauen, traut euch. Ihr könnt das genauso gut wie die Männer.“

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