Nachhaltiges, ressourceneffizientes Bauen gewinnt weltweit zunehmend an Bedeutung. Denn nachhaltiges „grünes Bauen“ schont die Umwelt und spart Energie. Auch das Hamburger Architektenbüro Eisfeld Engel Architekten hat dem ökologischen Nachhaltigkeitsgedanken Rechnung getragen. Mit dem Neubau der NRW.BANK in Münster hat es zugleich eine lichte und öffentliche Struktur geschaffen. Der Bankneubau vom November 2009 steht versetzt in direkter Nachbarschaft zum denkmalgeschützten Altbau von 1908, bei dem nur die Fassade erhalten blieb.
Das Münsteraner Bankhaus an der Friedrichstraße bei Nacht. Transparente Architektur trifft auf energetische Nachhaltigkeit.
Vorbildlich gebaut – der Neubau der NRW.BANK
2010 wurde das Münsteraner Bankhaus an der Friedrichstraße als „vorbildlich“ ausgezeichnet. Das Bauministerium vergibt gemeinsam mit der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen alle fünf Jahre die „Auszeichnung vorbildlicher Bauten des Landes Nordrhein-Westfalen“ an Gebäude und Anlagen, die nach gestalterischen, ökologischen und wirtschaftlichen Maßstäben zukunftsweisend gestaltet sind. „Das Außergewöhnliche der Gebäude ist neben der transparenten Architektur die energetische Nachhaltigkeit“, erklärt Stefan Haaf, verantwortlich für das Gebäudemanagement der NRW.BANK, „und dass der ursprüngliche Altbau der ehemaligen Landesbank eine harmonische Verbindung mit dem Neubau eingeht.“
In dem verglasten Foyer, das sich über sechs Geschosse in die Höhe zieht, schafft Tageslicht eine angenehme Atmosphäre.
Energieeffizienz durch intelligente Gebäudesteuerung
Das verglaste Foyer zieht sich über sechs Geschosse in die Höhe. Im Erdgeschoss befinden sich Konferenzräume und das Mitarbeiterrestaurant, in den Obergeschossen die Büroräume. Durch zwei Lichthöfe werden die Büros von zwei Seiten mit natürlichem Tageslicht versorgt. Dadurch wirkt der Neubau leicht und elegant. Das Tageslicht schafft nicht nur eine angenehme Arbeitsatmosphäre, sondern spart auch noch Energie: Die intelligente Gebäudesteuerung sorgt dafür, dass künstliches Licht nur bei Bedarf zugeschaltet wird.
„Die tageslichtabhängige Lichtsteuerung sorgt für eine ausreichende Beleuchtungsstärke. Sie erkennt, wenn es zu dunkel wird, oder erfasst eigenständig, ob sich Personen im Raum befinden“, erklärt Stefan Haaf. „Somit brennt kein Licht länger als nötig.“ Auch Kühlung und Heizung funktionieren energetisch effizient: So genannte Hybrid-Kühlwerke sorgen zum Beispiel im Sommer dafür, dass die Kühlung über Verdunstungseffekte gesteigert wird. Kälte- und Lüftungsmaschinen werden auch hier über automatische Steuerungstechniken variabel an die tatsächlichen Erfordernisse angepasst.
„Für die 230 Mitarbeiter war das ein Umstellungsprozess“, berichtet Stefan Haaf, „es braucht eine Weile, bis man sich daran gewöhnt, dass alles selbstständig funktioniert, denn das Haus ist quasi ein denkendes Gebäude mit Eigendynamik.“
Büro im Gebäude der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Luxemburg.
Hamburger Architekten erhalten den Titel „exzellent“ für ihre ökologische Meisterleistung
Aber nicht nur in Nordrhein-Westfalen werden nachhaltige Architekturprojekte ausgezeichnet. Auch das Gebäude der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Luxemburg, einem Refinanzierungspartner der NRW.BANK, wurde prämiert.
Vergeben hat den Titel die BREEAM-Jury. BREEAM steht für „Building Research Establishment Environmental Assessment Method“, das älteste und am weitesten verbreitete Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen. Der Ökostandard wurde 1990 in Großbritannien entwickelt noch bevor dazu in Deutschland das Gütesiegel von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) eingeführt wurde. Das Gebäude der EIB – die zu den finanzstärksten Banken der Welt zählt und Projekte der Europäischen Union finanziert – ist das erste Gebäude auf dem europäischen Kontinent, das einen „exzellenten“ Status erreicht hat.
Das Architekturteam hatte sich zuvor in einem international ausgeschriebenen Wettbewerbsverfahren durchgesetzt. Als der Auftrag für die Realisierung des Erweiterungsbaus an ingenhoven architects ging, mussten die Anforderungen Schritt für Schritt abgearbeitet werden.
Ben Dieckmann, Geschäftsführer von Ingenhoven Architects.
Das Gebäude atmet
Viele Besonderheiten galt es zu berücksichtigen. Ben Dieckmann, Geschäftsführer von Ingenhoven Architects, erklärt: „Wir mussten uns verschiedenen Fragen stellen, wie: Ist das, was biologisch ist, auch ökologisch? Die Baumaterialien sollten langlebig sein, optimalerweise aus der Region und das Holz aus nachhaltigem Anbau stammen. Das Material sollte sich zudem durch Flexibilität auszeichnen. Auch Sicherheitsaspekte mussten wir natürlich berücksichtigen.“
Die Architekten haben sich für ein Atriumkonzept entschieden und ein Gebäude erschaffen, das atmet: Eine leichte Glashülle überspannt die V-förmigen Büroflügel, die durch Atrien und Wintergärten miteinander verbunden sind. Als Klimapuffer sind sie wesentliche Bestandteile des Energiekonzeptes. Besonders die Wintergärten auf der Landschaftsseite sorgen dafür, dass die natürliche Lüftung gewährleistet bleibt während zugleich der Energiebedarf reduziert wird.
Die Maxime lautet: für Menschen bauen
Zum Ende des Jahres 2008 konnten die Mitarbeiter der Investitionsbank an ihren neuen Arbeitsplatz ziehen. An einen Arbeitsplatz, der 70.000 Quadratmeter – also etwa zehn Fußballfelder – groß ist. Damit sich der einzelne Mitarbeiter im zehngeschossigen, 170 Meter langen und 50 Meter breiten, röhrenförmigen Stahl-Glas-Betongebäude nicht verloren fühlt, hat das Architekten-Team so gebaut, dass die Kommunikation unter den Mitarbeitern gefördert wird. Kommunikation und spontane Interaktion werden nun durch offene, gemeinsam genutzte Zonen in den Schnittpunkten der frei kombinierbaren Abteilungen unterstützt.
„Unsere Vorstellung war, dass wir den 1.000 Mitarbeitern die Möglichkeit geben, zusammen zu kommen, sich in den Atrien zu treffen. Denn in erster Linie lautete unsere Maxime: bauen für Menschen“, erklärt Ben Dieckmann. „Die Mitarbeiter sollen glücklich sein an ihrem Arbeitsplatz. Doch mit der neuen Arbeitssituation mussten sie anfänglich zurechtkommen: Damit, dass wir ihnen ihren gewohnten, angestammten Arbeitsplatz genommen haben. Denn die Menschen arbeiteten bis dahin ja in einer konventionellen Zellenstruktur mit wenig Kommunikation und wenig Transparenz.“
Architektur schafft basisdemokratische Strukturen
Für den Architekten Ben Dieckmann ist es wichtig, einen Wandel in den Bürostrukturen zu erreichen und damit eine Gleichwertigkeit innerhalb der Teams. Die Arbeitsbereiche von Vorständen baut er deshalb nicht anders als für die übrigen Mitarbeiter. Das zeigt sich auch bei seinen anderen Bauvorhaben: So ist zum Beispiel der Vorstand der Düsseldorfer Stadtwerke auch nicht wie üblich in das oberste Geschoss gezogen, sondern in die Gebäudemitte und damit für alle einsehbar. „Das nenne ich Basisdemokratie“, sagt Ben Dieckmann.
Ben Dieckmann ist vom Erfolg des Atriumkonzepts, den Verglasungen und offenen Strukturen für die Europäische Investitionsbank überzeugt: „Unternehmen, die erfolgreich arbeiten wollen, müssen vor allen Dingen für eine funktionierende Kommunikation sorgen und diese fördern. Was wir geschaffen haben, ist der erste Schritt einer Revolution, einer Revolution von Bürostrukturen.“
Das Düsseldorfer Büro der Ingenhoven Architects.
Ingenhoven Architects
Ob RWE Tower, Lufthansa-Hauptverwaltung oder die Hautverwaltung des HDI-Gerling Konzerns – das mit zahlreichen ersten Wettbewerbs- und Architekturpreisen ausgezeichnete Düsseldorfer Architekturbüro Ingenhoven Architects hat richtungsweisende Gebäude errichtet und Maßstäbe im ökologischen Bau gesetzt.
2010 wurde das Münsteraner Bankhaus an der Friedrichstraße als „vorbildlich“ ausgezeichnet.
Eisfeld Engel Architekten
Die Bandbreite der Tätigkeit der Eisfeld Engel Architekten reicht von Verwaltungs- und Verkehrsbauten über hochwertigen Wohnungsbau bis hin zu Shopdesign. Angeboten wird die ganzheitliche Projektbearbeitung von der Konzeptfindung bis zur Realisierung.
