„Wenn ein vierjähriges Kind im Spiel die Erzieherin besiegen kann oder zuhause gegen seinen älteren Bruder oder sogar den Vater im Schach gewinnt, dann gibt ihm das ein enormes Selbstbewusstsein“, meint Ralf Schreiber, Initiator des Projekts „Schach für Kids“. Dabei ist es nicht das Ziel, kleine Schachprofis heranzubilden. „Der Spaß steht im Vordergrund.“
Seit 2006 baut er das klassische Brettspiel mit den 32 Figuren in den Kindergärten in Nordrhein-Westfalen auf. Dabei hat er beobachtet, dass Schach eine Menge bewirkt – und das schon bei Kindergartenkindern. Die Effekte sind durch eine wissenschaftliche Studie belegt. Bei richtiger Vermittlung kann das Spiel die Charakterbildung und das Sozialverhalten positiv beeinflussen. Die Kinder trainieren nicht nur spielerisch logisches und vorausschauendes Denken, sondern lernen auch ihre Stärken und Schwächen kennen und mit Niederlagen und Frustrationen umzugehen. Darüber hinaus fördert Schach die Konzentrationsdauer, die Merkfähigkeit und das Selbstvertrauen sowie die Lust am Erlernen von Neuem.
Schach als pädagogisches Hilfsmittel
Wie lernen und spielen Kinder Schach? Nicht unbedingt ruhig sitzend, still und konzentriert, sondern oft mit viel Bewegung und ganzem Körpereinsatz. Deshalb wurde für „Schach für Kids“ ein eigenes pädagogisches Konzept samt Schulung für die Erzieher entwickelt, mit dem das Spiel kindgerecht vermittelt wird. Dafür gibt es speziell entwickelte Spielmaterialien, die an das Sehen, Erleben und Lernverhalten von Kindern angepasst sind: größere, klappbare Spielbretter und große Spielfiguren in den Farben Lila und Gelb oder das Großspiel in spezieller Kinderdimension mit Spielbrett als Folie, die auf dem Boden ausgerollt werden kann.
„Könige geben sich nicht die Hand“
Die Spielregeln im Übungsheft können sich Kinder gut merken: „Könige geben sich nicht die Hand“ bedeutet, dass die Könige nie nebeneinander stehen dürfen. Ganz anschaulich lernen die kleinen Spieler das Aufstellen der Figuren sowie die Eigenschaften jeder einzelnen Figur. Der Bauer, die schwierigste Spielfigur für Kinder, wird als letzte vorgestellt. „Für Kinder ist es schwer zu begreifen, dass der Bauer anders schlägt als er läuft, am Anfang zwei Felder ziehen darf, nachher nur ein Feld, und beim Erreichen der anderen Seite durch eine beliebige Figur ausgetauscht werden kann. Deshalb sprechen wir vom ‚verzauberten Bauern‘. Das fasziniert die Kinder, sagt Ralf Schreiber.“ Nachdem die Grundzüge bekannt sind, üben die Kinder mit nur wenigen Figuren Fähigkeiten wie Taktieren, Deckung und Schutz ein.
„Schach für Kids“ zieht sich im Idealfall über das ganze Kindergartenjahr als eine Art Grundthema und wird begleitet von Bastelarbeiten, Ausflügen, Festen und mehr. Es können Kostüme gestaltet werden, mit denen sich Kinder selbst in Spielfiguren verwandeln. Denkbar ist auch eine Tagestour zu einer Burg, damit die Kinder einen echten Turm sehen können. „Ein Sommerfest mit einem kleinen Turnier wäre ein schöner Abschluss. Der Kreativität der Kinder und Erzieher sind keine Grenzen gesetzt“, betont Ralf Schreiber.
Chancengleichheit unterstützen
Die NRW.BANK ermöglicht die Finanzierung von „Schach für Kids“. Zunächst wird das Projekt in 150 Kindergärten und Kindertagesstätten in Dortmund und Bochum gefördert. Ziel ist, „Schach für Kids“ flächendeckend in Nordrhein-Westfalen anzubieten. Damit unterstützt die NRW.BANK die Chancengleichheit von Kindern im Rahmen ihres gesellschaftlichen Engagements im Feld Bildung & Wissenschaft. Dr. Alexandra Mette von der NRW.BANK verdeutlicht die Motivation der Förderbank: „Die Fähigkeiten, die Kinder durch das Schachspielen erlernen, werden ihnen auch fundamental im späteren Berufsleben weiterhelfen.“
