Herr Sieverding, was sind die wichtigsten Schritte bei der Planung einer energetischen Sanierung?
Udo Sieverding: Zunächst sollte ein Energieberater eine energetische Bestandsaufnahme durchführen und zusammen mit dem Bauherrn festlegen, welches Energieniveau das Gebäude nach der Sanierung erreichen soll. Zur Vorbereitung gehört es aber natürlich auch, die Frage der Finanzierung zu klären. Denn für energetische Sanierungsmaßnahmen gibt es in vielen Fällen öffentliche Zuschüsse oder zinsgünstige Kredite.
Durch welche Qualifikationen zeichnet sich ein vertrauenswürdiger Energieberater aus?
Udo Sieverding: Der Begriff „Energieberater“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung, so dass die berufliche Tätigkeit keinen allgemein gültigen Standards unterliegt. Bevor ein Energieberater beauftragt wird, sollte der Bauherr deshalb bestimmte Qualitätskriterien abfragen. Dazu gehört zum Beispiel, ob der Berater berechtigt ist, Energieausweise auszustellen oder von der KfW-Bank als Sachverständiger anerkannt wird. Außerdem sollte man nach Referenzen und beruflichen Schwerpunkten fragen.
Häufig wird von gewaltigen Einsparpotenzialen gesprochen, die durch energetisches Sanieren gehoben werden können.
Udo Sieverding: Das ist keine Übertreibung. Durch die umfassende energetische Sanierung eines Altbaus können Einsparungen von 50 bis über 80 Prozent erreicht werden. So lässt sich der Ölverbrauch eines durchschnittlichen Einfamilienhauses von rund 25 Liter je Quadratmeter und Jahr im unsanierten Zustand auf unter zehn Liter im sanierten Zustand senken.
Mit welchen Maßnahmen lassen sich die höchsten Einsparungen erzielen?
Udo Sieverding: Die Wärmedämmung der Außenwände sowie die Erneuerung der Heizungsanlage bringen die höchsten Einsparungen. Nicht so teure Maßnahmen wie der Einbau einer neuen Heizungspumpe oder die Dämmung der Wärmeverteilleitungen amortisieren sich am schnellsten.
Gibt es Bereiche in denen Hauseigentümer beim energetischen Sanieren besonders häufig Fehler machen?
Udo Sieverding: Das kann man sagen. Die meisten Fehler entstehen, weil die Sanierungsmaßnahmen nicht ausreichend detailgenau geplant oder fachgerecht ausgeführt werden. Damit die gewünschten Einsparpotenziale erzielt werden, ist es aber entscheidend, dass beispielsweise Fenster luftdicht eingebaut oder Wärmebrücken wie zum Beispiel an Bauteilanschlüssen vermieden werden.
Welche Hilfe bekommen Ratsuchende bei der Verbraucherzentrale?
Udo Sieverding: In NRW haben wir ein flächendeckendes Netz für individuelle und anbieterunabhängige Energieberatung durch fachkundige Architekten und Ingenieure. In derzeit 58 Beratungsstellen und 39 Stützpunkten – zum Beispiel in Rathäusern – bieten wir halbstündige Beratungen an, in denen Fragen rund um die Gebäudesanierung, aber auch allgemein zum Energiesparen beantwortet werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit einer 90-minütigen Vor-Ort-Energieberatung direkt beim Gebäudeeigentümer zu Hause. Weitere Infos gibt es unter www.vz-nrw.de/energieberatung.
