Europas führende Stadtwerke-Kooperation mit Sitz in Aachen, bringt frischen Wind in das Angebot erneuerbarer Energien. „Das Stromnetz ist wie ein See“, erklärt Martin Hector, einer der beiden Geschäftsführer der Projektgesellschaft für den geplanten Windpark der Trianel. „Kraftwerke speisen Strom in den See ein, Abnehmer ziehen Strom aus ihm heraus. Und der Betreiber achtet darauf, dass der Füllstand immer gleich ist.“
Nun wird der Wind helfen, den See zu füllen. Zukünftig können die Stadtwerke ihren Kunden selbst produzierten Ökostrom als Teil ihres Energiemix anbieten. Eine Nennleistung von 400 Megawatt soll nach Abschluss des Bauprojekts 45 Kilometer nördlich von Borkum aus Wind gewonnen werden. Genug Strom, um 400.000 Haushalte zu versorgen.
Mit einer Höhe von knapp 150 Metern sind die Windenergieanlagen fast so hoch wie der Kölner Dom.Vom Umweltschutz zur Versorgungssicherheit
„Der Ökostrom kommt mehrheitlich Stadtwerken in Nordrhein-Westfalen zugute und damit Kunden in der Region“, sagt Martin Hector. Darüber hinaus stammen vier Zulieferfirmen zentraler Bauteile der Windkraftanlagen aus Nordrhein-Westfalen. Auch mehr als die Hälfte der Hilfskomponenten für Windräder werden in Nordrhein-Westfalen gefertigt. Produziert werden zwischen Rhein und Weser Teile wie Getriebe und Fundamente mit einem Auftragsvolumen in Höhe von 85 Millionen Euro.
Das überzeugte die NRW.BANK: „Ausschlaggebend für die Förderung war der große Bezug des Projekts zu Nordrhein-Westfalen“, macht Friederike Lüking, Senior Projektmanagerin Infrastrukturfinanzierung, deutlich. Die Europäische Investitionsbank (EIB) und die NRW.BANK traten bei der Finanzierung in prominenter Position auf. Der gemeinsam bereitgestellte Kredit für die Planung, die Konstruktion und den Betrieb des Trianel Windkraftwerks Borkum beläuft sich auf 470 Millionen Euro. „Eine deutliche Unterstützung, die zur Umsetzung des Projekts vor dem Hintergrund anhaltender Finanzierungsengpässe seit der Finanzkrise notwendig war“, stellt Friederike Lüking heraus. Den Grundstein hatte die europäische Kommission gelegt. Sie sicherte dem Projekt rund 43 Millionen Euro aus dem Europäischen Energieprogramm zur Konjunkturbelebung (EEPR) zu.
700 Tonnen wiegen allein die Tripods, die in 30 Metern Wassertiefe am Meeresboden „festgenagelt“ werden. Alle Bilder: © alpha ventus.Feste Fundamente
Das Geld will Trianel alles andere als in den Nordseesand setzen. „Gebaut wird in dem 56 Quadratkilometer großen Windpark auf festen Fundamenten und mit modernster Technik“, betont Martin Hector. 700 Tonnen wiegen allein die Tripods, die Sockel der Windräder. Sie werden in 30 Metern Wassertiefe mit Stahlrohren am Meeresboden im wahrsten Sinne des Wortes festgenagelt. „Für den ersten Bauabschnitt sind 40 Windenergieanlagen vorgesehen“, erläutert Martin Hector. Sie sollen ab Ende 2012, spätestens Anfang 2013 für Spannung sorgen. „Weitere 40 sind geplant.“
Für Trianel ist die Herausforderung Offshore ein Reifetest als Projektentwickler, für die beteiligten Stadtwerke ein wichtiger Meilenstein: „Die Stromerzeugung hat sich in den letzten Jahren stärker auf den erneuerbaren Sektor verlagert“, sagt Martin Hector. Trianel folgt dieser Entwicklung aus Überzeugung. Dass die NRW.BANK den Offshore-Windpark unterstützt, sorgte für kräftigen Rückenwind. Und Andreas Wittler, Leiter Infrastrukturfinanzierung bei der NRW.BANK, ergänzt: „Die gute und enge Zusammenarbeit zwischen der NRW.BANK als Landesförderinstitut und der Europäischen Investitionsbank in diesem Projekt zeigt deutlich, welche Kraft Förderbanken zu Unterstützung wichtiger Infrastrukturprojekte aufbringen können.“ So wurde das Projekt kein Kampf gegen Windmühlen, sondern eine erfolgreiche Anwendung wirtschaftlich tragfähiger und umweltgerechter Zukunftstechnologien.


