Studie zur Medienerziehung in Kindertagesstätten für Umgang mit TV, Computer, Spielekonsolen in Kitas
Kindergartenkinder brauchen Unterstützung beim richtigen Umgang mit Medien (Bild: fotolia/zerova).

Gesellschaftliches Engagement

//Studie nimmt Medienerziehung in Kindertagesstätten unter die Lupe

Schon für Kindergartenkinder gehört der Umgang mit TV, Computer oder Spielkonsole mittlerweile zum Alltag. Doch sie brauchen Unterstützung, damit sie die medialen Inhalte richtig einordnen können oder verstehen, wie die Technik funktioniert. Wie aber kommen Kindertagesstätten (Kitas) in Nordrhein-Westfalen ihrem Bildungsauftrag nach, wenn es um Medienerziehung geht? Dieser Frage geht eine von der NRW.BANK geförderte Studie auf den Grund.

„Für uns stehen Kreativität und verantwortungsbewusstes Handeln im Fokus“, erläutert Kirsten Nagel, in der NRW.BANK für gesellschaftliches Engagement zuständig. „Im Rahmen dessen liegt uns insbesondere die Förderung von Bildungsprojekten am Herzen. Dafür haben wir bereits diverse Schul-, Ausbildungs- und Hochschulkooperationen realisiert und ergänzen diese nun um die frühkindliche Bildungsförderung.“

Im Zeitraum von März bis April 2012 befragte ein medienwissenschaftliches Team um Prof. Dr. Dorothee Meister von der Universität Paderborn und der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur die Mitarbeiter von 766 Kindertagesstätten. Ziel war es, den Ist-Zustand der Medienerziehung in nordrhein-westfälischen Kitas festzustellen und zu analysieren. So sollten Chancen und Potenziale erkannt werden und als Grundlage für Handlungsempfehlungen dienen.

Eine von der NRW.BANK geförderte Studie untersucht, wie Kitas in Nordrhein-Westfalen ihrem Bildungsauftrag bei der Medienerziehung nachkommen (Bild: fotolia/XS_VRD). Eine von der NRW.BANK geförderte Studie untersucht, wie Kitas in Nordrhein-Westfalen ihrem Bildungsauftrag bei der Medienerziehung nachkommen (Bild: fotolia/XS_VRD).

Die Ergebnisse im Überblick

Von besonderem Interesse ist die Studie, da aktuell Bildungsgrundsätze für das Land implementiert werden. Vorangestellt wurde den Befragungsergebnissen noch ein Vergleich der Bildungspläne aller sechzehn Bundesländer. Dabei stellte sich heraus, dass Nordrhein-Westfalen zu den wenigen Bundesländern gehört, in denen Medienerziehung ein eigener Bildungsbereich ist. Allerdings wird das Alter der Kinder bei der Vermittlung von Medienkompetenz nicht berücksichtigt. Zudem fehlen konkrete Projektbeispiele.
Im Zuge der Online-Befragung kristallisierten sich folgende Ergebnisse heraus: 80 Prozent der befragten Kitas begreifen Medienerziehung als Teil ihres Bildungsauftrags, insbesondere bei den Kita-Leitungen ist mit 62 Prozent das Interesse daran hoch bis sehr hoch.

Daneben schätzen die Einrichtungen unter anderem, dass sich Medienarbeit gut mit anderen Bildungsbereichen wie etwa der Sprachförderung kombinieren lässt. Allerdings beschränkt sich die Medienerziehung in den Kitas in der Regel auf Fotografieren oder das Anhören von Musik und Hörspielen. Nur selten haben Kinder die Gelegenheit, aktiv mit den Medien zu arbeiten, wie beispielsweise ein digitales Bilderbuch oder Videofilme anzufertigen. Mehr als 65 Prozent der Befragten gaben an, dass dies dem Zeitmangel geschuldet ist, aber auch der Tatsache, dass viele Erzieherinnen, nämlich mehr als 23 Prozent, sich nicht zutrauten, Medienprojekte selbst durchzuführen. Dazu kommt, dass auch die Ausrüstung mit Geräten häufig unzureichend ist.

Hervorzuheben ist ferner, dass 90 Prozent der Befragten die Medienerziehung von Kindern aus problembelasteten Familien als besonders wichtig erachten. Das liegt daran, dass in diesen Fällen innerfamiliär zu wenig Wert auf den richtigen Umgang mit der heutigen Medienvielfalt gelegt wird.

Zukunftswünsche – Zukunftspläne

Unterstützungsbedarf machten die Kitas insbesondere bei altersgerechter Medienerziehung und kreativer Medienarbeit sowie bei der Elternarbeit und der Lernförderung in weiteren Bildungsbereichen fest. Nach der Analyse der Studienergebnisse und mit Blick auf die Wünsche der Teilnehmer wurden diverse Maßnahmen empfohlen: Von Interesse wären medienpädagogische Fortbildungsangebote im Rahmen von Inhouse-Schulungen für das gesamte Team und mit besonderer Berücksichtigung der Handlungsmöglichkeiten vor Ort. Auch wünschen sich die Kitas, dass medienpädagogische Materialien für konkrete Projekte mit den Kindern aber auch den Eltern entwickelt würden. Um der unzureichenden Ausstattung mit Geräten abzuhelfen, sollte ein Medienkoffer mit zum Beispiel Laptop, Digitalkamera und Aufnahmegerät zur Verfügung gestellt werden.

„Auf jeden Fall sollte das Projekt weiter Früchte tragen“, resümiert Kirsten Nagel. Aktuell plant Prof. Dr. Meister mit ihrem Team, ein Modell zu entwickeln, das Kitas dabei unterstützt, ihren Bildungsauftrag wahrzunehmen und umzusetzen. Damit soll die Hemmschwelle von Erzieherinnen und Erziehern bei der Mediennutzung für Bildungszwecke gesenkt werden. Auf der Agenda steht auch die Entwicklung von Materialien und Medien für die Fort- und Weiterbildung. Geplant ist, die Ergebnisse nach einer Erprobungsphase in ausgewählten Einrichtungen als Pilotmodell öffentlichkeitswirksam zu präsentieren. Kirsten Nagel: „Wir sind gespannt auf die Ergebnisse und freuen uns, in diesem immer bedeutsameren Bildungsbereich mit unserer Unterstützung der Studie einen Stein ins Rollen gebracht zu haben.“

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