EU- und Außenwirtschaftsförderung NRW.BANK Ingrid Hentzschel, Abteilungsleiterin Hausbanken- und Fördernehmerberatung bei der NRW.BANK, im Interview
Ingrid Hentzschel, Abteilungsleiterin Hausbanken- und Fördernehmerberatung bei der NRW.BANK (Bild: Schmidt-Dominé)

Außenwirtschaft

//NRW.BANK unterstützt Exportwirtschaft

Ingrid Hentzschel, Abteilungsleiterin Hausbanken- und Fördernehmerberatung bei der NRW.BANK, über die Unterstützung der NRW.BANK für nordrhein-westfälische Unternehmen im Auslandsgeschäft.

Frau Hentzschel, immer häufiger wagen die Mittelständler aus Nordrhein-Westfalen den Sprung ins Ausland. Welche Chance eröffnet das für die Unternehmen?

Ingrid Hentzschel: Die Gründe für ein Auslandsengagement sind vielfältig. Zunächst geht es natürlich darum, Wachstumschancen ausländischer Märkte zu nutzen sowie die Wettbewerbsfähigkeit in einer globalisierten Welt zu sichern und zu stärken. Oft kommt der Anstoß von wichtigen Kunden im Ausland, die von ihren Lieferanten eine Standortnähe erwarten. Deutsche Produkte und Technologien genießen weltweit ein hohes Ansehen. Der Export von Gütern und Dienstleistungen ist inzwischen für viele mittelständische Firmen eine wichtige Grundlage, um Arbeitsplätze zu sichern und ihre Wettbewerbsposition zu stärken. Nicht zuletzt sind ausländische Märkte oft auch wichtige Beschaffungsmärkte. Unternehmen können so ihre Kosten im Einkauf reduzieren.


Trotz der Chancen schrecken manche Unternehmer davor zurück, sich überhaupt mit einer Expansion im Ausland ernsthaft zu beschäftigen.

Ingrid Hentzschel: Einige Unternehmer sind hin- und hergerissen. Auf der einen Seite kann ein Auslandsengagement die unternehmerische Begeisterung wecken, etwas komplett Neues auf den Weg zu bringen – und das unter der besonderen Herausforderung des fremden Terrains! Auf der anderen Seite machen sie sich, bei aller Professionalität, auch berechtigte Sorgen. In Nordrhein-Westfalen kennen sie Preise und Gepflogenheiten. Doch im Bezug auf das Ausland fragen sie sich: Laufen mir die Kosten aus dem Ruder? Weiß ich, wie dort Geschäfte eingefädelt werden? Kann ich die Risiken überblicken? Wir sehen es als eine unserer Aufgaben an, hier über öffentliche Unterstützung und Absicherungsmöglichkeiten zu informieren und auch zu relevanten Beratungsstellen zu vermitteln.

Welche Voraussetzungen muss denn ein Unternehmer mitbringen, um im Ausland erfolgreich zu sein?

Ingrid Hentzschel: Die Auslandsmarkterschließung ist ein langwieriger Prozess, der gut durchdacht und strategisch vorbereitet sein will. Die Herausforderungen für den Unternehmer bestehen darin, die richtigen Märkte für seine Produkte und Dienstleistungen zu identifizieren, eine passende Internationalisierungsstrategie zu entwickeln, Partner zu finden und die notwendigen unternehmensinternen Ressourcen bereit zu stellen. Dem Schritt ins Ausland sollte eine klare Analyse der Stärken und Schwächen des Unternehmens sowie Chancen und Risiken des Auslandsengagements vorausgehen. Information über die gesellschafts-, steuer- und arbeitsrechtlichen Bedingungen sind ebenso von Bedeutung wie gute Kenntnisse der Sprache und Kultur sowie der geschäftlichen Sitten und Gebräuche.

Ingrid Hentzschel, Abteilungsleiterin Hausbanken- und Fördernehmerberatung bei der NRW.BANK (Bild: NRW.BANK) Ingrid Hentzschel, Abteilungsleiterin Hausbanken- und Fördernehmerberatung bei der NRW.BANK, ...

Bei ihren Auslandsinvestments werden Unternehmer durch zahlreiche Förderprogramme unterstützt.

Ingrid Hentzschel: Ja. Eine Studie der Europäischen Kommission hat 310 Förderprogramme allein für die Internationalisierung von kleinen und mittleren Unternehmen in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union identifiziert. In Deutschland allein wurden 22 Programme gezählt, wobei die vielfältigen Programme der Bundesländer gar nicht berücksichtigt wurden. Da ist es für Unternehmer schwierig, genau das für sie passende Angebot zu finden.

... berät mit ihrem Team Unternehmen, die ins Ausland expandieren wollen, ... (Bild: NRW.BANK) ... berät mit ihrem Team Unternehmen, die ins Ausland expandieren wollen, ...

Das hat auch die Europäische Kommission erkannt und ein Netz von regionalen Beratungsinstitutionen gespannt. Dieses „Enterprise Europe Network“ umfasst mehr als 600 Partner in ganz Europa – von Wirtschaftsförderagenturen über Industrie- und Handelskammern bis hin zu Förderbanken. Das gemeinsame Ziel: kleine und mittlere Unternehmen bei Innovationen aber auch bei der Erschließung des europäischen Binnenmarkt sowie außereuropäischer Wachstumsmärkte zu unterstützen. Die NRW.BANK ist im Konsortium mit der ZENIT GmbH als NRW.Europa der nordrhein-westfälische Partner im Enterprise Europa Network der Europäischen Kommission.

... zu Themen wie Internationalisierungsstrategie, Partnersuche und Finanzierung (Bild: NRW.BANK) ... zu Themen wie Internationalisierungsstrategie, Partnersuche und Finanzierung (Bilder: NRW.BANK)

Der große Pool an Kontakten ist eine wichtige Grundlage für unsere Beratung von Unternehmen auf dem Weg ins Ausland.

Wie können Sie Unternehmen konkret helfen, die sich an Sie wenden?

Ingrid Hentzschel: Wir beraten Unternehmen über die öffentlichen Finanzierungsinstrumente, die vom Land, vom Bund und/oder von der Europäischen Union zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus recherchieren wir für einzelne Firmen, welche regionalen und nationalen Förderungen im Zielland ihrer Auslandsaktivitäten in Frage kommen könnten. Wir bearbeiten rund 200 Anfragen im Jahr und besuchen dafür auch Unternehmer in Nordrhein-Westfalen vor Ort. Gemeinsam mit der ZENIT GmbH haben wir den Dialog-Workshop „Marktchance Europa“ mit und für Unternehmen entwickelt. Im Workshop erarbeiten wir gemeinsam mit den Teilnehmern die strategischen Grundlagen für ein unternehmerisches Engagement auf Auslandsmärkten und prüfen die passenden Förder- und Unterstützungsangebote. Die positive Resonanz auf die bisher rund 20 erfolgreichen Workshops hat uns bestärkt, dass dieses Format ein gutes Instrument ist, um Unternehmen der Region konkret und individuell bei der Erschließung und Bearbeitung von Auslandsmärkten zu unterstützen.

In der Außenwirtschaftsförderung ist die NRW.BANK in Nordrhein-Westfalen nicht allein unterwegs. Wie arbeiten Sie mit den anderen Akteuren in der Region zusammen?

Ingrid Hentzschel: Für uns ist die Zusammenarbeit mit den regionalen Wirtschaftsförderorganisationen, den Industrie- und Handelskammern, den Handwerkskammern sowie Cluster- und Branchenorganisationen in Nordrhein-Westfalen besonders wichtig. Den Dialogworkshop bieten wir zumeist mit regionalen Partnern an, etwa  Wirtschaftsförderagenturen oder Hausbanken. Mit den Kammern sind wir insbesondere durch unsere gemeinsame Gesellschafterfunktion in der Außenwirtschaftsfördergesellschaft des Landes NRW, der NRW.International GmbH verbunden. Aber auch die Sparkassen und Banken sind für uns als Hausbanken der Unternehmen wichtige Partner.

Die NRW.BANK offeriert Unternehmen auch eigene Förderprogramme für die internationale Expansion.

Ingrid Hentzschel: Das ist richtig: Zum 1. Juni 2014 haben wir unser Förderprogramm erweitert. Der NRW.BANK.Auslandskredit bietet zinsgünstige Darlehen für Investitionen und jetzt auch für Betriebsmittel im Ausland an. Ergänzend kann für das Investitionsdarlehen eine Haftungsfreistellung seitens der Hausbank beantragt werden. Die NRW.BANK teilt sich in diesem Fall mit ihr das Risiko, um die Vergabe des Förderkredits zu erleichtern. Mit der neuen beihilfefreien Betriebsmittelvariante des Kredits können beispielsweise Kosten für den Aufbau eines Vertriebnetzes oder für Machbarkeitsstudien finanziert werden. Außerdem haben wir den Darlehenshöchstbetrag von fünf auf zehn Millionen Euro erhöht. Ein weiteres Programm heißt NRW.BANK.Ausland Export, mit dem wir Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen den Zugang zu Exportgarantien erleichtern. Dabei bieten wir den Aval gebenden Hausbanken eine bis zu 50-prozentige Rückgarantie.

Das „Enterprise Europe Network“ umfasst mehr als 600 Partner in ganz Europa. (Bild: ZENIT GmbH)

Wer wendet sich in der Regel an die Außenwirtschaftsförderungsexperten der NRW.BANK?

Ingrid Hentzschel: Unternehmen, Banken und Sparkassen, aber auch kommunale Einrichtungen wenden sich an uns. Sie suchen generelle Informationen zu Fördermöglichkeiten, Informationen über den Einsatz öffentlicher Finanzierungsprodukte für ihr Auslandsvorhaben oder aber direkte Ansprech- und Kooperationspartner im Ausland. Beispielsweise haben wir einem nordrhein-westfälischen Unternehmen den Kontakt zur polnischen Förderagentur PARP vermittelt und über staatlich geförderte Kredite für innovative Projekte in Polen informiert. Ein weiteres mittelständisches Unternehmen aus NRW hat für die Übernahme eines niederländischen Unternehmens das Darlehen NRW.BANK.Ausland Invest genutzt. Aber auch für Investitionen in Polen, Frankreich und den USA wurde das Darlehen bisher eingesetzt. Etliche Unternehmen aus der Energie- und Umweltbranche, die in der Türkei investieren möchten, haben von uns ein umfangreiches Informationspaket über dortige Investitionsförderbedingungen erhalten.

Übrigens: Ein guter Einstieg in Sachen Außenwirtschaft ist unsere Publikation „Wachstumschance Ausland – Ein Wegbegleiter für Unternehmen“. Darin stellen wir die verschiedenen Phasen eines Internationalisierungsprozesses dar und zeigen vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten für nordrhein-westfälische Unternehmen auf.

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